Nach einiger Zeit nähert sich eine dritte Gestalt. Vermutlich ist er der Fahrer des Wagens. Wo hat er ihn geparkt? In einem nahen Waldabschnitt? Ohne ein Grußwort gesellt er sich zu den beiden anderen und deutet ebenfalls mehrmals auf den grünen Karton. Dann geht alles blitzschnell. Eine rote Jacke wird über den grün-schimmernden Karton geworfen, jeder der drei greift nach einem Teil der Waren, sie überqueren die Straße. Langsam schließt sich die dunkle Eingangstüre hinter den Gestalten. Einen Augenblick lang ist durch den Spalt der sich schließenden Türe zu erkennen, wie die drei den Aufzug besteigen...
Manchmal zwingt einen die Gesetzeslage eines Landes zu illegalen Handlungen. Es gibt Gegenden auf unserem Planeten, in denen man zu illegalen Handlungen gezwungen wird, wenn man einfach einmal gemütlich darüber sprechen will, ob der Herrscher derselben Region eigentlich zu Recht an der Macht ist. Oder aber wenn man findet, dass Schweinefleisch eigentlich gar nicht so schlecht schmeckt, wie alle immer sagen.
Das Ziel, welches ich mir heute gesetzt habe bestand darin, meinen neu gekauften Kühlschrank durch eine angemessene Menge Bier in selbigem einzuweihen. Problem: meine Hausregeln erlauben mir lediglich, 6 Flaschen Bier zu besitzen (also in meinem Raum zu haben). Ich wollte aber MEHR BIER (verständlich, oder?! Man nehme mal an, ich bekomme Besuch von zwei Freunden in meinem Zimmer...). Als wir den von heimtückischen Täuschungsaktionen durchzogenen Schlachtplan entwarfen, kamen wir uns vor, wie Pubertierende Schullandheimbesucher. Ich komme jedoch nicht umhin, zu gestehen, dass die ganze Aktion trotz (oder wegen?) aller Absurdität auch ein wenig Spaß machte. Jedenfalls gelang unser ausgetüftelter Plan (im Gegensatz zum Schullandheim). Jedes Detail des Planes ging auf, wie wir es uns zuvor ausgemalt hatten. Die rote Jacke über dem Karton verbarg den Inhalt perfekt vor den Augen des diensthabenden Wachmanns im Wohnheimsbüro. Ich darf mich nun stolzer Besitzer von 24 Flaschen Becks aus meinem Heimatland nennen.
Wow. Das muss man sich einmal vorstellen. Nicht nur überschreite ich die gesetzlich erlaubte Alkoholmenge um das vierfache, nein, ich mache es auch noch COOL (also im Kühlschrank)!
Das Bier zu bekommen, war nicht so einfach, weil ich meinen Pass nicht dabei hatte. Und die Dame im Alkoholladen wollte meinen Personalausweis und meinen Führerschein nicht anerkennen. Glücklicherweise war mein Mitbewohner dabei, der einspringen konnte. Da stand ich also am Schalter und lies mir von meinem 22-Jährigen Mitbewohner Bier kaufen... nun, genau genommen: ich musste den Laden verlassen, bevor Will das Bier kaufen konnte, da die Dame ansonsten den Eindruck gehabt hätte, Will kaufe das Bier garnicht für sich selbst, sondern für mich. Die Dame also wies mich darauf hin, ich möge doch bitte den Laden verlassen, da ich eben nicht als Erwachsener gelte, weil ich mich nicht ausweisen könne. Naja, ich verlies den Laden, Will kaufte das Bier und ich nahm es auf dem Parkplatz entgegen...
Gestern war ich auf meinem ersten American-Football-Match. Amherst gegen Albany, NY. Wir gewannen. Ich weiß nicht genau, wie hoch, da ich nach dem dritten Viertel und zweidreiviertel Stunden Spielzeit mit einigen Kollegen das Stadion verließ und essen ging. Nicht, dass das Spiel nicht interessant war, im Gegenteil. Aber das ist einfach zu lang! Im Schnitt drei Stunden geht so ein Football-Match. Naja, wenigstens haben die ganz nette Cheerleader und eine äußerst beeindruckende Marching-Band (eine 200 Mann umfassende Marschkapelle), die ziemlich gerockt hat! Vor dem Spiel haben wir natürlich die Nationalhymne gesungen. Nächstesmal gehe ich da auf nüchternen Magen hin und gebe mir das volle Programm inklusive Burger und Cola und Erdnüssen und HotDogs und...
Über dem Eingang des Supermarktes, in dem ich heute einkaufen war, steht geschrieben: "Through these doors enter the greatest world-class employees every day". Man stelle sich mal vor, über den fettflecken-gäsernen, automatischen Schwingtüren der Edeka-Filiale um die Ecke stünde in güldenen Lettern geschrieben: "Durch diese Tore schreiten jeden Morgen die begnadetsten und talentiertesten, großartigsten Angestellten von Weltformat". Wow. Das wäre doch etwas. Wie würde so etwas in Deutschland ankommen? Im Schwabenland würde etwas derartiges wohl in etwa folgenden Kommentar hervorrufen: "Wenn i do dr Scheff wär, ha, dennä dät i erschdamol räächd dr Roschd raa dau!"
Aber Amerika ist ein Land der Superlative. Hier ist alles Big XXL. Wenn ich ein T-Shirt kaufen gehe, ist S meine Größe. Ich hätte nur die Befürchtung, dass all diese Superlative langsam aber sicher die Wahrnehmung verändern. Und so hat eben manche Supermarktverkäuferin ein Auftreten, das verdächtig an Kaiserin Sissi erinnert. Eine Ausnahme ist Walmart. Deren Geschäftspolitik besteht darin, den größten qualitativen Scheiß zu verkaufen, den man finden kann und das nicht einmal geschickt zu verschleiern, ja, es nicht einmal zu verschleiern zu versuchen. Walmart ist quasi ein IKEA-extrem. Viel minderwertiger, billiger, nur weniger stylisch. Weniger in der Mitte der Gesellschaft, irgendwie. Naja, heute habe ich eine Mitarbeiterin gefragt, wo ich denn Schraubenzieher finden kann. Ihre Antwort war: "Versuchen sie's mal da hinten um die Ecke, der fünfte Gang. Da würde ich danach suchen. Wenn's da nicht ist, weiß ichs auch nicht genau". Ohne ein weiteres Wort widmete sie sich wieder ihrer Handtucheinräumbeschäftigung. Naja, wenigstens sind die ehrlich. Die versuchen gar nicht erst, ihren offensichtlich qualitativ minderwertigen Ramsch hinter einer Fassade aus Kundengesprächen, geführt mit pseudokompetenten und beinahe übertrieben freundlichen "Fach"-händlern zu verstecken (wie man es zum Beispiel aus einer Mediamarkt-Filiale kennt, wo jeder Mitarbeiter einer "Fach"-abteilung zugeordnet ist (die meiner Meinung nach jeden Montag neu ausgelost werden)). Ich habe mir dort ein Regal gekauft. Warum? Es war so schön billig!
Planungen: Am Donnerstag kommt der Cirque de Soleil zu Besuch nach Amherst, direkt auf unseren Campus. Da gehen wir hin. Mitte Oktober kommt der bekannte Rap-Musiker Jay-Z nach Amherst auf den Campus (der Typ ist ne Legende, für die, wo das nicht wissen). Zwei nette Beispiele dafür, was für Vorteile so ein riesen Campus haben kann! So, ich glaub das war jetzt erstmal genug für heute.
bis bald,
PS. Hoffentlich durchsucht das FBI nicht aufgrund meines Geständnisses mein Zimmer nach Alkohol. Die würden nämlich auch noch einen Liter Vodka finden...

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