Naja, was gibts zu sagen? So viel, dass ich garnicht weiß, was zuerst kommen soll. Die Amis sind alle mega-freundlich und super organisiert. Die Orientierungs-Woche hier an der Uni war der Hammer - die haben unglaublich gut dafür gesorgt, dass man sich kennen lernen kann und sich auch gleich möglichst wohlfühlt. Angefangen bei meinem deutschen Zimmerkameraden in den ersten drei Tagen (wer hätte das gedacht? auch ein Stefan...), über die zahlreichen Starthilfs-Vorlesungen ("Dating in America" war gleichzeitig mit "Wohnungsregeln" und "Erklärungen zu Legalen und Illegalen Handlungen in den USA"...- wo ich war, wird nicht verraten...) bis hin zu den zahlreichen studentischen Helfern, die vorgestern abend für ein Bankett allererster Sahne inklusive Fahnen aus aller Welt, Lotterie und anschließender Diskothek gesorgt haben. Die sind hier wirklich so zuvorkommend und nett, dass man sie am Liebsten nur umarmen möchte manchmal :-).
Der Campus hier in Amherst ist einfach riesig. Vor zwei Tagen habe ich mir erst einmal ein Fahrrad gekauft, gebraucht für 135 Dollar. Ist ein schickes gelbes Rennrad, für das ich schon einige neidische Blicke bekommen habe. :-)
Die Gebäude sind allesamt ziemlich modern und schick - man merkt hier einfach, dass da richtig viel Geld drinnen steckt. Der Hammer aber ist der Bibliotheksturm. Ein rotes Hochhaus mit 23 Stockwerken, die mit Hochgeschwindigkeitsaufzügen verbunden sind, von oben bis unten voll mit Büchern. Da kommt richtig Atmosphäre auf, wenn man im 20 Stock hoch oben über den Dächern von Amherst sitzt und ein Buch liest.
Mein Wohnheim ist ziemlich cool. Backstein, dicke Wände, kleines Zimmer. Ziemlich nette, brandneue Küche und ein fescher Aufenthaltsraum im Keller, inklusive Tischkicker, riesen Flachbildschirm und AirHockey.
Wir sind etwas über 200 internationale Studenten, was dazu führt, dass ich auch nach 5 Tagen noch jeden Tag neue Leute kennen lerne. China, Ägypten, Schweden, Deutschland, Spanien, Australien, Frankreich, Äthiopien, Taiwan, Japan, Mexiko, Guatemala, Brasilien, Kenia... mehr fallen mir gerade nicht ein - aber alle sind vertreten. Megainteressant, all die unterschiedlichen Kulturen und Religionen auf einem Haufen zu haben. Ein Mädchen aus Deutschland ist mit einer Muslimin aus Afrika auf dem Zimmer, die jeden morgen um halb 5 beten geht. Gestern wurde ich Zeuge folgender Unterhaltung (natürlich war die auf Englisch):
Chinesin: "Hey, kennst du Chi-ca-co?"
Brasilianerin: "Chicago? Die Stadt? Klar kenn ich die!"
Chinesin: "Nein, Chi-ca-co, die Japanerin!"
Es gibt viel zu lachen...
Gestern waren wir zum ersten mal in Amherst selbst unterwegs. Malerische amerikanisches High-School-Film-Städtchen. Donut-bars, Pizzerien, Pubs, schlechtes amerikanisches Bier, mega-breite Straßen (man merkt wirklich, dass Amerikaner keinen Platzmangel haben) und permanent irgendwelche gut aussehenden Menschen, die herumjoggen. Überhaupt ist Sport hier mindestens genauso präsent wie Fastfood. Paradox, aber irgendwie so richtig schön amerikanisch...
Lächerlich ist einfach diese Altersbeschränkung beim Trinken. Du kannst mit 16 eine Schusswaffe besitzen, mit 15 Auto fahren - aber ein Bierchen gibts erst ab 21. Das ist schon bitter, wenn man hier einen trinkfesten Engländer aus Birmingham trifft (dem man die Trinkfestigkeit auch ansieht...), der schon seit 6 Jahren Bier trinkt, hier aber keines dieser schwachen und wässerigen lokalen Biersorten ausgeschenkt bekommt und stattdessen ein Eis oder eine Coke trinken muss. Aber gut, andere Länder...
Kurz: bislang gefällt es mir richtig gut hier, ich fühl mich wohl, hab Leute gefunden, mit denen ich hier ordentlich was unternehmen kann, besitze seit heute ein Amerikanisches Bankkonto, seit gestern ein Handy mit lokalem Netz und mein eigenes Zimmer und seit vorgestern ein Fahrrad. Ich lebe mich also ganz gut ein! Ich bin sehr gespannt auf den Kursbeginn am Dienstag. Morgen aber gehts erstmal nach Boston auf Stadtrundfahrt mit der ganzen Baggage! Das wird sicher ziemlich lustig!
So, ich bin megamüde, habe die ganze Woche kaum mal länger als sechseinhalb Stunden geschlafen (ich bin Student, ich brauch acht!!!) und es gibt noch soviel zu tun!
Sonntag wird dann die Hölle losbrechen, wenn 25000 Studenten an die UMass Amherst kommen... vielleicht fahre ich da einfach in die Stadt mit meinem Fahrrad, setze mich raus an die breite Straße mit einem Buch und esse einen Donut, während die Cheerleaderinnen vorbeijoggen...
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