Montag, 31. August 2009

Sänk ju for trävelling wiss Deutsche Bahn!

Montag, 31. August, halb 11 abends. Ich habe soeben den zweiten Peter Pan bestiegen und befinde mich tatsächlich auf dem letzten Abschnitt meiner Reise nach Amherst. Ja ja, ich weiß. Doch kein Auto gemietet, Stefan! Aber ich fange von vorne an.

In Frankfurt heute morgen (bzw. gestern morgen – in Deutschland dürfte gerade so halb 5 morgens sein) wollte mich eine keifende Dame am Check-In nicht fliegen lassen. Grund: fehlendes ID-20- Formular. Das muss immer mit dem VISUM mitgeführt werden, ob ich das nicht wisse? Nein, antworte ich, das wäre mir tatsächlich zum gegenwärtigen Zeitpunkt unbekannt. Ob sie nicht jemanden anrufen könne, der das irgendwie regelt. Ja, das mache sie jetzt.

Nach zehn Minuten warten konnte ich dann fliegen – die längsten zehn Minuten des heutigen Tages. In Gedanken hatte ich schon überlegt, wie ich jetzt am schnellsten an das Formular komme um den nächsten Flieger zu nehmen. Aber gut, ich konnte ja fliegen.

Einige Stunden Flug. Watchmen (gut) und StarTrek (naja) angeschaut und dann in New York gelandet. Die Stewardess im Flieger hatte mir versehentlich das falsche Formular gegeben – deshalb nach 20min anstehen nochmal zurück und richtiges Formular ausfüllen. Hab dann glücklicherweise einen netten Security-Mann gefunden, der mich wieder durch die Absperrung ließ und ich so nur noch zehn Minuten warten musste. Inzwischen war ich dann so spät, dass bei der Gepäckabgabe mein Zeug schon ein paarmal vorbeigefahren war – was ich aber nicht wusste. Fleißig stellte ich mich also an das Band und wartete. Und wartete. Und wartete. Dann plötzlich kam nichtmehr das Gepäck aus Frankfurt auf meinem Band, sondern aus Moskau (ist das jetzt ein Anfängerfehler...?). Hab dann einen Flughafenarbeiter gefragt und er hat mir gezeigt, wo meine Sachen sind (fein säuberlich neben dem Band aufgestellt).

Dann Gepäck durch den Zoll und gleich wieder nach Boston aufgeben. Der Flieger nach Boston war klein und der Flug selbst dauerte auch nur 35 Minuten – ich sah wieder eine Chance, den letzten Peter Pan Bus zu erwischen. Auf meinem Flugplan stand ja, dass ich 6.20pm lande – damit war aber gemeint, dass ich ca. 6.20pm fertig bin mit reisen, also Gepäckabholung inklusive. Der Bus, das wusste ich, fuhr um 6.30pm. Falls also mein Gepäck schnell genug käme...

Ich wartete 25 Minuten am Gepäckband. Dann, um 6.26pm hatte ich mein Gepäck vom Band und rannte los (hatte vorher schon nach der Busstation gefragt, weil ich wusste, dass es eng werden könnte). Naja, ich habs geschafft. 40 Dollar und kein Automietundzurückbringstress. Cooler Busfahrer im ersten Abschnitt der Reise („Lean back, relax and enjoy the ride.“) Ich bin froh!

Hab grade noch Marie aus Frankreich kennen gelernt, die sitzt im gleichen Bus. Hinten auf der letzten Reihe hängen noch so zwei Jungs aus England rum (zumindest hat einer ein Arsenal-Trikot an) – vielleicht wollen die auch nach Amherst. Bin gerade in Springfield umgesteigen (nein, keine Simpsons gesehen... aber die schlafen ja auch um die Zeit!). In den Augen Müdigkeit, in der Nase Reisebussitzbelaggeruch, im Ohr Paolo Nutini und im Kopf nur noch eines: Schlaf! Werde relativ genau 24 Stunden wach sein, wenn ich ins Bett steige. Aber ich kann ja 8 Stunden schlafen. Und morgen beginnt die Orientation-week. Ich bin gespannt.


Gute Nacht.


Dienstag, 18. August 2009

Obamaland - ich komme!


"Euch ist bekannt, was wir bedürfen,
wir wollen stark Getränke schlürfen!"
- Goethe, Faust

Wenn ich ein Motto für meine beiden Semester an der University of Massachusetts (ich glaube, das ist die richtige Anzahl an 's' und 't') in Amherst benennen sollte: es wäre dieses! Amherst besteht den Geschichten nach aus ca. 5000 Einwohnern und etwa 25.000 Studenten - es sollte sich folglich so manches Getränk in geselliger Runde trinken lassen. Und sonst so? Ach ja, genau: ich werde meinen Master in Philosophie beginnen. Meine Kurse sind schon gewählt (habe ich von Mauritius aus gemacht - das muss immer ein halbes Jahr vorher gemacht werden, damit sie noch rechtzeitig eine ausreichend große Anzahl an Stühlen in den Seminarräumen aufstellen können oder so):

- Contemporary analytic philosophy TuTh 1430-1545 (Zeitgenössische Analytische Phiosophie)

- Approaches to politics TuTh 1300 - 1415 (Politische Philosophie (also: was ist Gerechtigkeit? uns derlei Fragen)

- Approaches to science MoWeFr 12.20 - 1310  (Wissenschaftstheorie (also: was macht der Physiker eigentlich?))

- Ethical Theories MoWeFr 1115 - 1205 (Moralphilosophie (also: darf man jetzt das Kind abtreiben oder nicht?))


Bin sehr gespannt, wie schnell ich da auf einem Niveau auf Englisch mitdiskutieren kann! Was ist noch zu tun, bevor es losgeht? Folgendes:

- übermorgen meine mündliche BA-Prüfung ablegen
- aus meiner schönen Wohnung in Kreuzlingen ausziehen
- all mein Zeugs sicher in Konstanz unterstellen
- einen internationalen Führerschein beantragen
- Freunde noch einmal knuddeln und vielleicht ein starkes Getränk mit ihnen schlürfen
- Verabschieden
- ... und ab ins Flugzeug!

Hm... was muss denn noch so rein, in den ersten Blogeintrag meines Lebens? Vielleicht eine Absichtserklärung! Damit keine Erwartungen enttäuscht werden und so...
Was sind die Vorteile eines Blogs? Ausführliche Überlegungen brachten mich auf folgende drei Punkte:

- keine nervigen Rundmails inklusive Adressverwaltung
- einfaches Anhängen von Fotos
- wen mein Leben nicht interessiert, der wird auch nicht behelligt!

Es mag den ein oder anderen geben, der jetzt melancholisch wird und sagt: "Ach, früher als die Gummistiefel noch aus Holz waren, da war alles irgendwie intimer und persönlicher! Da wurden noch Briefe geschrieben. Früher, da war sogar die Zukunft noch besser! Dann kam das Internet und hat alles so schnell gemacht und die Leute haben plötzlich Emails geschrieben uns so. Und jetzt? Ein Blog? Das ist doch der Gipfel der Unpersönlichkeit! Die Spitze der Selbstvergläserung im Internet! Da stellen einfach tausende von Leuten ihr Privatleben ins Netz - ihre tiefsten Geheimnisse und Ängste! Ja, früher, da war alles besser..."

Hierzu möchte ich sagen: ich bin mir darüber im Klaren, dass Emailverkehr persönlicher ist als ein Blog. Deshalb werde ich auch weiterhin Emails schreiben. Und diese Emails werden dann Privates enthalten. Mein Blog ist für alle, die sich für mein tägliches Universitätsleben und meine Partyerfahrungen interessieren, kurz: mein Amerikaerfahrung minus das ganz Persönliche. Wer also wissen will, ob ich bei der letzten Campus-umspannenden Riesenfete von einem Mädchen einen Kuss auf die Backe bekommen habe, der wird das hier nicht erfahren. Voyeurismus wird hier nicht befriedigt. Wer sich für derartiges interessiert, macht das bitte per Email (ich freu mich auch über jeden physikalischen Brief, der mich erreicht - ich glaube sogar, ich habe im Wohnheim einen Briefkasten).
Mein Hauptziel ist: diejenigen, die ein wenig Interesse daran haben, was ich so mache, ein wenig zu unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger (ich freue mich außerdem über jeden Kommentar unter meinen Einträgen!).

bis bald.



PS. wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.