Dienstag, 26. Januar 2010

Beschde Woche, wo gibt

Das Dilemma an einem Blog ist, dass man Zeit zum Schreiben finden muss, um all die erlebten schönen Dinge aufzuschreiben. Gerade aber wenn man schöne Dinge erlebt, findet man nicht die Zeit...

Das Semester hat einen Blitzstart hingelegt, von 0 auf 100 in etwas weniger als einer halben Woche. Alles ist wieder da. Die Kurse, die Bücher, die ausgedruckten Texte, die Kugelschreiber, die Gedanken, die Unverständlichkeit, die Begeisterung, ab und an das Gefühl von Erfolg beim Verstehen von Theorien, das Hin- und-Her-geworfen werden von den Argumenten und natürlich das leidenschaftlich Stellung beziehen (nur um dann drei Argumente später festzustellen, wie dämlich man war). Es fühlt sich gut an, wieder im Spiel zu sein. :-)

Am Wochenende hatten wir einen SnowCampingTrip geplant, der dann aber leider ausgefallen ist. Geplant war, mit acht Leuten in New Hampshire durch die White Mountains zu wandern und dann bei -20 Grad im Schnee die Zelte aufzuschlagen. Teuta und ich waren sehr enttäuscht, dass das nicht hingehauen hat, weil uns so ein blöder Schneesturm den Wind aus den Segeln... also, einen Strich durch die Rechnung gemacht hat! Kompensiert wurde das mit einigen netten Stündleins in Amherst Coffee, sowie mit einer ausgiebigen, sonnigen, sonntäglichen Joggingsession durch den weißen Wald. War super, vor allem, nachdem wir ungefähr drei Stunden lang Teutas ungeordnete (!!!) Musikdateien auf meinen alten Ipod gespielt haben – und dabei meine überwältigend ordentliche und typisch deutsche Itunes-Ordnung zerschossen haben... Nächste Woche ist Erstihütte mit Eisklettern! Mal schauen, ob ich da mitkomm...

Boston letztes Wochenende war super. Das NBA Spiel Boston Celtics gegen Portland Trail Blazers war sehr interessant zu sehen und (am Ende) sehr spannend. Wieder einmal allerdings fühle ich mich in meiner Einschätzung des Basketballsports an sich bestätigt. Drei Viertel des Spiels kannst du einfach, wie mein alter Fußballlehrer Kemal zu sagen pflegte, “de Haasa gäba”. Vor dem Spiel: geniale Stimmung, Musik, Trarara, Fangesänge, Nationalhymne, Mördershow, geile Mucke. Dann Einlauf der Spieler: theatralische Musik, alle feiern und gehen ab, die Lichtershow, die Lichter gehen aus, dann, aus der völligen Dunkelheit, der markerschütternde Schrei von Kevin “KG” Garnett auf dem Videowürfel – Gänsehaut pur. Und dann geht das Spiel los. Stille. Bis zum letzten Viertel versucht der Videowürfel ab und an, die Leute zu motivieren, ein wenig abzugehen. Klappen tuts aber nicht.
Dennoch: die Athletik und die Bewegungen waren sehr genial, mal live zu erleben. NBA ist halt schon was Besonderes.

Sodele, ich werde versuchen, wieder häufiger zu schreiben. Jetzt gehts ans Lesen!

tschü.



Hier noch einige, mehr oder weniger sinnvolle, Eindruecke aus Boston:







Dienstag, 19. Januar 2010

Klappe, die zweite.

Ich glaube, dass dieser Laden hier der einzige Ort hier in Amherst ist, den ich in meiner Zeit in Rio und Kalifornien wirklich vermisst habe. Amherst Coffee. Downtown, direkt neben der Bank of Amerika Filiale und vor dem Kino. Gedimmtes Licht, Glühbirnen, deren Drähte glühen, aber nicht wirklich für eine Erhellung des Raumes sorgen, diese neumodischen dicken grausilbernen Lüftungsrohre, die einfach so und ohne Verzierung schlicht an der Decke entlang führen, Holzmöbelgarnitur, Internetzugang und beschaulich-gediegene Instrumental/Loungemusik. Viele Studenten kommen hierher um zu schreiben, zu lesen oder eben auch um sich zu unterhalten. Außerdem serviert Amherst Coffee den einzig trinkbaren Capuccino (scheiße, ich weiß gerade echt nicht mehr, ob man Capuccino mit zwei 'p' schreibt...) in der näheren Umgebung. Also den einzigen, der nicht aus in heißes Wasser gekipptem Pulver besteht. Großartiges Setting für eine gemütliche Lesestunde und wenn ich darüber nachdenke, dann ist das wohl das sympathischste Cafe, in dem ich mich je befunden habe.
In meinem letzten Sommer in Konstanz habe ich das ja schon öfter mal gemacht. Einfach rausgehen und in irgendeinem Cafe ein Buch lesen. Dieses Semester habe ich einiges an Zeit für Amherst Coffe und ich bin richtig froh darum. Meine Kurse sind Ethics (Feldman, Montag, 19-21.30), Epistemology (Kornblith, Dienstag, 16-18.30) und Rawls (Garcia, Donnerstag, 16-18.30). Das lässt mir sehr viel Freiraum für persönliche Zeiteinteilung – also genau das, was ich in meinem letzten Sommer in Konstanz während meine BA-Arbeit so zu schätzen gelernt habe.

Ja, ich bin wieder in Amherst. Gestern abend angekommen. Die Reise war unspektakulär bis langweilig. In Rio habe ich mir über ITunes noch das neue Coldplay/ArcticMonkeys – Album gekauft, sowie einen Film ausgeliehen (Crank2), um mich gebührend unterhalten zu können. Erstere haben das auch getan, letzteres nicht. Mein Hörbuch (A Song of Ice and Fire 2 – etwas über 50 Stunden) hat dann das Übrige getan. Nachdem ich für alle meine Flüge von Boston nach LA nach Rio nach Boston einen Fensterplatz vorbestellt hatte, wurden meine Gebete dann letztlich zumindest auf der kleinen Teilstrecke Charlotte-Boston von Fortuna erhört. Es ist einfach unschätzbar wertvoll, im Flugzeug eine Wand neben sich zu haben. Dann musst du nämlich nicht mitten in der Nacht erschreckt feststellen, dass dein Kopf während deines letzten wilden Traumes unbemerkt an der Schulter des Nebenmannes angedockt hat, dessen rechte Schulter jetzt feucht von geschätzten eineinhalb Stunden Schlaf-Sabber ist und du hoffend die Daumen drückst, dass das alles trocknet, bevor der Typ aufwacht. Gelobet sei die Wand.
Verfluchet sei Peter Pan. Gemeint ist nicht der fliegende Jüngling, der schlafende Mädchen in ihrem Zimmer besucht und sie ins Land ihrer Träume bringt (Nein, das ist kein Skript für einen Pornofilm. Siehe bei Wikipedia unter 'Disney'), sondern das Busunternehmen. Die brauchen nämlich, wenn du Pech hast, für die Strecke Boston Logan Airport – Umass Amherst schonmal 6 Stunden anstatt 2 in einem Auto. Da muss man dann an der SouthStation in Boston ne Stunde auf den Anschlussbus warten und dann nochmal fröhliche eineinviertel Stunden in Springfield. GRUMMEL.

Meine letzten Tage in Rio waren sehr schön. Am Donnerstag Abend haben wir Schumacker und Rafael, zwei Freunde Daniels, zum Dinner in ein ziemlich geiles Restaurant in Leblon begleitet. Schumacker haben wir eingeladen, weil der unsere Kutsche vom Flughafen gespielt hat. Wow. Geniales Buffet und Fleisch – haste noch nicht gesehn! Die Kellner sind permanent rumgerannt und haben einem Spieße angeboten. Da gabs dann alles. Lamm, Rind, verschiedenste Körperstellen – blutig oder unblutig. Meine Herren, hab ich Fleisch gegessen! Und ab und an mal zum Salatbuffet, um nicht NUR Fleisch zu essen. Hab auch das erste Mal in meinem Leben so richtig blutiges Fleisch gegessen, was überraschender Weise sehr gut geschmeckt hat. Danach sind wir zu fünft (Li, Julian, Schumacker, Rafael und ich) nach Lapa gefahren, einem angesagten Kneipenviertel. Das Wetter war schlecht und deshalb war Lapa nicht gar so überfüllt wie sonst, was sehr angenehm war. Wir haben dann bis drei Uhr morgens getrunken und geredet, wollten dann gehen, haben gesehen, dass ein Regensturm alle Straßen überflutet haben, weshalb kein Auto mehr fahren konnte, haben dann den anderen ausführlich erklärt, dass so etwas im gut durchstrukturierten Deutschland nicht möglich wäre und haben dann einfach weiter getrunken. Um halb 5 oder so waren wir dann zuhause, voller Fleisch und Alkohol und sind zufrieden ins Bett gefallen.
Am nächsten Tag ging es uns nicht so gut. Deshalb haben wir dann auch nur am Nachmittag einen kleinen Ausflug nach Santa Teresa gemacht, sind mit der alten Tram von Centro aus hoch gefahren und haben die kleinen Gässchen und Cafes dort spontan ins Herz geschlossen. Li hat uns gehörig in den Hintern getreten und so sind wir dann mit ihr auch noch in einen nahen Park gewandert und wurden dort von einer überraschen schönen Aussicht über das regnerisch-grau Rio belohnt.
Am nächsten morgen ist Julian zurückgeflogen, Li und ich hatten beide ziemlich Magenprobleme, weshalb wir den Tag über im Appartment blieben und dann abends aufgebrochen sind – zu einer Karnevalsprobe! Das war genial! Drei Karnevalsschulen, jeweils mehrere hundert Mann (alleine die Trommelbrigade, das Herz einer jeden Schule, mehr als 250 Mann) – der Sound dringt wirklich in jede Pore und schüttelt das Tanzgen gehörig durch! Sehr geil, das wir das gesehen haben!
Am letzten Tag gabs dann noch ein letztes Highlight. Ein Fußballspiel in Maracana, dem Stadion, in dem Pele Brasilien 1950 zum Weltmeistertitel schoss. Beeindruckend, was die Flamengo-Fans für eine Stimmung produzieren, obwohl das Stadion nur zu einem guten Drittel gefüllt war. Das Spiel ging jedenfalls 3:2 für Flamengo aus, was ausreichend Gelegenheit zum Torjubel lies. Achja: die Organisation war übrigens derart schlecht, dass wir, am Stadion angekommen, erstmal zum Zwecke des Ticketkaufes wieder vom Stadion weggeschickt wurden, irgendwo unter eine Brücke 15 Minuten entfernt. Da war dann aber die Schlange so lang, dass wir so lange warten mussten, dass wir erst zur Ende der ersten Halbzeit das Stadion erreichten (und das auch nur, weil uns ein netter Mann mit seinem Sohn in seinem Auto mit zum Stadion genommen hat). Sehr schön, das ganze Mal gesehen zu haben, wenn ich auch erneut anmerken muss, dass so etwas in Deutschland ja nie...

Ich sitz jetzt wie gesagt gerade in Amherst Coffee und schreibe einen Blogeintrag, gleich gehe ich mit Alessandra und Teuta ins Kino (der neue Film mit George Clooney (?) ) und danach wahrscheinlich noch mit Julian und Mister Friedi zum Karaoke. Dort haben Yanis (FRA)und ich vor meiner Abreise aus Amherst das Publikum mit 'I believe I can fly' von R. Kelly beglückt und überrascht festgestellt, dass einige Gäste ausreichend betrunken waren, um uns zu loben. O-Ton Mister Friedl: 'Tha... That was the b-bä-best performance of se whole evening!'
Also mal schaun, was heut so geht.

Ich habe gerade geniale, vielfältige, herzliche, anstrengende, schöne vier Wochen erlebt und stelle , meinen Chai-Tee schlürfend, zufrieden fest, dass ich wieder richtig Bock habe, in der Philosophie Gas zu geben.

Klappe Amherst, die zweite!













Mittwoch, 13. Januar 2010

Brazil. So geht Leben.

Als wir in die blaue Lagune einfahren, herrscht reger Betrieb. Brasilianischer Betrieb. Das bedeutet: Zwischen 50 und 100 Brasilianer und sonstige Touristen treiben auf ihren Spaghetti-Gummi-Dingern im 2-8 Meter tiefen Wasser umher und schauen sich die Fische an. Drei Riesenboote in der Bucht, eines ein Partyboot mit lauter House-Musik und Vodka und knappen Bikinis, die an Bord wild die Hüften schwingen. Diese Spaghetti-Gummi-Dinger sind eine moderne gesellschaftsfähige Version von Schwimmflügeln. Keiner schwimmt mehr selber! Unglaublich! Überhaupt, denke ich mir, verlieren die Menschen immer mehr den direkten Kontakt zur Natur (gut, das klingt jetzt altklug... aber Leude: des schdimmt fai wööklich!), nur die bedeutende Minderheit der Leute auf einem Schnorcheltrip schwimmt ohne Schwimmhilfe, eine überraschend große Anzahl an Leuten kann nichtmal mehr im Wald einen Erdhügel hochklettern, ohne dabei auszusehen wie Paris Hilton im Dschungelcamp und überhaupt tragen alle Kinder heutzutage diese seltsamen Crocs. Bitte bitte bitte: lasst eure Kinder barfuß am Strand und im Wald rumrennen! Ja, der Sand ist manchmal sehr warm, so dass man sich verbrennen kann und im Wald lauern manchmal heimtückische Glasscherben und böse Wurzeln und die scharfkantigen Steine erst!!!... aber das gehört dazu! Man will ja keine Weichei-Kinder, oder?! Also bitte: Kinder, laufet barfuß und lernet Schwimmen und klettert wild in der Gegend umher!
Schnorcheltrip, der etwas enttäuschend war. Normalerweise hat man eine wunderschöne Stelle zum Schnorcheln und dann beschließt man, das ganze per Boottrip für den Touristen zugänglich zu machen. In Ilha Grande scheint es andersrum gewesen zu sein. O-Ton Marketingexperte: "Hez Leude, mir ham geile Strände, ne riesen Insel mit super Wanderwegen und überhaupt ist das voll paradiesisch hier! Wir brauchen halt noch so ne Schnorcheltripsache, sonst fehlt da was. Irgendwie!"
Naja, die Korallen waren nichts besonderes und auch die Fische waren ganz nett, aber nicht mehr (gut, wer Mauritius und Malaysia war, dem gehts jedenfalls so). Die beiden anderen Tage sind dann aber extrem phädd und wieder mal stellt sich heraus, dass die besten Dinge im Leben umsonst sind. Im Hostel, wo wir in einem Raum mit 8 Betten und den unterschiedlichsten Travellern aus aller Welt gepennt haben, haben wir recht schnell Veronika (GER) und Li (ISR) kennen gelernt und dann beschlossen, am kommenden Tag wandern zu gehen, zu einem der Traumstrände auf der anderen Seite der Insel. Uff. Das war was! 35 Grad Mittagshitze und ne Luftfeuchtigkeit, wie es sie eigentlich nur im Wasser geben kann... Aber wir habens geschafft und wurden dann belohnt von einem absoluten hammermäßigen Traumstrand, der is mindestens mit Mauritius und den Perhentian Islands in Malaysia aufnehmen kann. WOW! Und da der Strand schön abgelegen war, waren auch nicht sooo viele Leute da. Einige Coca-Cola Händler hats dann aber natürlich doch noch am Strand und so gibt es wieder nix schöneres für mich, als nach einem beinahe 5 stündigen Wandertrip mit kleineren Pizzapausen inklusive Affenfüttern ne schöne Coke im Schatten einer Palme mit Ausblick auf den azurblauen Atlantik zu trinken. So geht Leben.
Veronika, Julian und ich sind dann noch zurückgewandert - Li hat lieber das Taxiboot von nem Nachbarstrand aus genommen. Zum Dinner gabs dann schön Hähnchenschnitzel Hawai mit Reis und den typischen brasilianischen Bohnen.

Der Strand hat uns dann so umgehauen, dass wir am nächsten Tag gleich wieder hin sind. Mit einem Taxiboot zu einem Nachbarstrand und dann noch schnell eine Kurzwanderung und schon waren wir wieder da. Dösen, lesen, ein wenig Felsenklettern und sogar versucht, zu surfen (allerdings nur Veronika). Und dann gemütlich zurück mit dem Boot. Vorne am Bug, IPod im Ohr, Salz in der Nase, Wind im Haar, Gischt im Gesicht.

Nun sitz ich wieder in Rio de Janeiro mit Julian und Li (die gerade 6 Monate durch Lateinamerika reist). Es ist Mittwoch, Julian fliegt Samstag zurück, ich am Sonntag. Pläne für die restlichen Tage: Santa Teresa, eine Favela-Führung und eventuell Paragliding von nem Berg über Rio hinweg mit Landung in Ipanema-Beach... mal schauen!

So, und nun noch einige Bilder und ein Video, auch von den Tagen in Rio, bevor wir aufgebrochen sind nach Ilha Grande. Einige Bilderbuchmomente waren dabei... ;-)

tschuessikovski.





































Montag, 4. Januar 2010

Olá

Hier liege ich in Botafogo auf meinem Queen size bed in Daniels Appartment, die Klimaanlage rotiert und mein Rücken tut weh wie Sau. Warum? Übelschd verzerrt. Wie das? Eine Welle.
Vor zwei Tagen waren wir mit Daniels Freunden Schumacker, Pedro und Gabriel in Ipanema am Strand, baden. Naja, wobei 'baden' in Brasilien das falsche Wort zu sein scheint. Nachdem ich mich durch die Massen an Liegestühlen, Sonnenschirmen (beides für 1,5€ pro Tag) und Menschen bis zum Meer vorgewühlt habe, sticht mir sofort eines ins Auge: Hunderte von Menschen stehen einfach im knöcheltiefen Wasser herum und unterhalten sich. Stundenlang. Die stehen da einfach. Ab und an hüpft mal einer ins Wasser. Aber ansonsten stehen die hier rum. Warum das? Julian fragte Gabriel und der erklärte kurzerhand, man wolle eben gesehen werden! Und ja, ansehnlich ist das schon. Die Mädels tragen Tangabikinis (quasi eine Grundausstattung), oder, falls kein Tangahösschen, so doch zumindest ein Oberteil, das nur noch für Unterschichtsfantasten etwas zum Fantasieren bereit hält. Und die Männer? Die scheinen an Gleichstellung der Geschlechter ein sehr großes Interesse zu haben. Getreu dem Motto: "Wir wollen auch zeigen, was wir haben!" werden enge Badehösschen getragen. Und so ist dann beim Strandausflug in Rio auch für die Frau was zum Gucken dabei.
Außerdem werden zwei Sportarten gespielt. Beachvolleyball und Futvolley. Zweiteres wird ebenfalls auf einem Beachvolleyballfeld gespielt, allerdings eben ohne Arme. Ansonsten die gleichen Regeln. Das bedeutet: EINE Ballberührung pro Person, maximal drei Ballkontakte. Nach zwei Ballwechseln verstehe ich, woher die Brasilianer ihre Technik haben. Es ist einfach nur beeindrucken, was für ein Ballgefühl die Menschen hier entwickeln. Auch 50 jährige Männer wissen ihr Kunst noch vorzuführen und selbstverständlich auch viele Frauen. Habe dann mal mit einigen brasilianischen Jungs 'Ball hochhalten' gespielt und hatte wirklich Probleme, mitzuhalten.
Und ja, richtig, die Welle. An diesem Tag kommen die Wellen sehr hoch an die Küste. Etwa zwei bis drei Meter. Ich habe, um ehrlich zu sein, die Kräfte solcher Wellen ein wenig unterschätzt und wurde zweimal so richtig schöen mitgerissen und unter Wasser in alle Richtungen geschleudert, was insgesamt sicher so 4 Sekunden ging. Ich hab einfach die Luft angehalten und rumgeschleudert-werdend darauf gewartet, dass das ganze gleich vorbei ist. Nur hab ich mir dabei dann irgendwie den Rücken verzerrt. Naja. Jedenfalls weiß ich jetzt, wie man unter so ner anrauschenden großen Welle durchtauchen kann, ohne sich wie ein Tischtennisball zu fühlen. Wieder was gelernt.

Silvester an der Copacabana war verrückt. Da waren 2 mio Menschen. Und ich habe den kompletten Abend lang keine einzige Toilette gesehen. Julian meint ja immer noch, 'da an der einen Ecke da' sei eine gewesen - ich hab jedenfalls keine gesehen. Später am Abend wird mir klar, warum so viele Leute 10 Meter rausschwimmen, da kurz anhalten und dann wieder zurückkommen. Ich bin immer wieder überrascht, wie selbstverständlich es für manche Menschen ist, in Gewässer zu pissen, in denen andere gerade schwimmen. Naja. Wieder was gelernt.
Ich jedenfallshabe nach dem Feuerwerk einen Druck auf der Blase, der in etwa einer mittelgroßen Handgranate entspricht und mache mich in der riesigen Menschenmenge auf den Weg, eine Toilette zu finden. Eine Stunde (!) später habe ich noch nichts gefunden, finde mich aber vor dem Copacabana Palace wieder, dem Luxushotel vor Ort. Siehst ja wie ein Ausländer aus, denke ich mir und entschließe, einen Versuch zu unternehmen. Den beiden gefährlich dreinschauenden Außentorwächtern erzähle ich in Englisch, ich würde hier wohnen. Sofort öffnen sie das Tor. Dann wirds kniffliger. Vor der eleganten Drehtüre in die Haupthalle des Hotels stehen zwei süße Brasilianerinnen und zwei weniger süße Bodybuilder in Anzug. Das Mädchen lächelt mich an und fragt mich, wo ich wohne. 104, lautet meine Antwort. Sie fragen mich nach meinem Namen. Julian Miller, sage ich. Sie fragen mich nach meinem Ausweis und Zimmerschlüssel. Ich präzisiere meine Situation wie folgt: Mister Miller sei der Mann zu dem ich wolle. Ein Freund von mir. Er müsse wieder auf seinem Zimmer sein und habe mich eingeladen. Entschuldigung, ich sei betrunken. Die beiden Mädels suchen in ihrem Ordner (Mist, eine Liste mit allen Gästen!) nach einem Herrn Miller, scheinen aber tatsächlich einen zu finden. Nach einer halben Minute werde ich durchgelassen und von Bodybuilder 1 (dem weniger unsüßen der beiden) durch die Türe zur Rezeption gebracht. Dort beginnt das Gespräch mit dem Rezeptionisten. Julian Miller, meine ich, 104. Da sei kein Julian Miller in 104. Das müsse ein Missverständnis sein, meine ich. Ich zücke mein Handy und spiele dem Rezeptionisten einen Telefonanruf vor. Das überzeugt zumindest Bodybuilder 1 davon, sich vom Acker zu machen. Er lässt mich alleine an der Rezeption. Ich wechsle ein paar Worte auf Deutsch mit Julian Miller an meinem Telefon. Dann lege ich auf. Entschuldigung, sage ich lächelnd zum Rezeptionisten, Julian sei immer noch draußen, es sei ein Missverständnis gewesen. Er habe zu viel getrunken und sei immer noch irgendwo auf dem Strand. Danke für die Bemühungen, ich werde ihn suchen gehen. Oh, und ob ich kurz die Toilette benutzen könne? Nein, das ginge leider nicht, meint der Türsteher nach kurzem Zögern. Als er Blickkontakt mit dem Türsteher aufnimmt, lächle ich ihm nocheinmal zu und verabschiede mich. Scheiße! So nah dran war ich!!
Zwanzig Minuten später finde ich eine Treppe zwischen zwei Häusern und folge ihr. Dann stehe ich in einer Gasse, beinahe menschenleer. Erleichterung.

Ansonsten? Schlendern durch die Gassen Rios, lesen, umschauen, Fotos machen und gestern die Tour hinauf nach Pedra da Gavea. Julian konnte nicht mit, weil er an Silvester dummerweise in einen offenen Gullideckel gestiegen ist und sich das Knie gestaucht hat. Dumme Sache. Hoffentlich bald wieder besser.

Ein kleines Rätsel:
Fügen Sie die folgenden Zahlen passend folgenden Begriffen hinzu:

- Reisezeit von LA nach Rio
- Tagesdurschnittstemperatur in Rio
- Kosten für einen frisch gepressten Ananassaft in Reais
- Anzahl der rausgeschwitzten Kilogramm aufgrund der Hitze
- Anzahl der bislang ausgetrunkenen Kokosnüsse
- Grad der Rückenschmerzen zwischen 0 und 50

- 3
- 34
- 30
- 4
- 10
- 20