Dienstag, 24. November 2009

Kleines update

So, morgen geht unser Trip los! Da Thanksgiving Pause ist, fahren wir mit drei Autos und 12 Leuten runter nach Washington bis Freitag, dann nach Philadelphia und am Samstag abend nach Atlantic City, wo es laut meinem Kommilitonen Eric vor allem hochprozentigen Alkohol, Gluecksspiel und Prostitution gibt! Ist das nicht toll?! So, und da haben wir natuerlich gleichmal den Maedels klar gemacht, dass in Atlantic City zumindest an einem Abend eine reine Maennerrunde die Stadt unsicher machen wird... :-)
Ich werde nach dem Trip dann wieder einen laengeren Eintrag schreiben und ausserdem noch die Videos vom Bodyflying reinstellen, die aufgrund eines seltsamen Formates grade leider nicht schneidbar sind. Ich wuensche allen, ob mit oder ohne Truthahn, ein beschauliches Thanksgiving!
so long,

stefan

Sonntag, 22. November 2009

Träume eines Sandkorns

All unser Tun in dieser Welt
hat weder Zweck noch Sinn.
Das zielstrebenste Schiff zerschellt
am Fels des Irrtums. Von Beginn
an nicht mehr als ein ein'zges Korn
im Sandsturm, das sich Leben nennt.
Egal ob Liebe, Freundschaft, Zorn-
alles verbrennt, alles verbrennt.


Alles Streben wird zu Staub,
Der Wandel wird's verschlingen.
Des Universums Ohr ist taub,
egal wie schoen wir singen.
Im Rauschen der Unendlichkeit -
was ist ein ein'zges Korn aus Sand?
Am Horizont naht uns're Zeit.
Nichts hat Bestand, nichts hat Bestand.


Umsonst ist jede Niederkunft.
Doch bruellen wir mit aller Kraft,
mit allem Wahnsinn der Vernunft,
und aller uns gegeb'nen Macht
- im Wissen, dass wir kentern -
ins dunkle Nichts des Alls hinein:
"Hier steh' ich mit all meinem Sein -
und werde dich verändern!"

Donnerstag, 19. November 2009

Eine Antwort.

"Du, warum studierst du eigentlich Philosophie?"

"Glaubst du, dass Demokratie jeder anderen Staatsform vorzuziehen ist? Mit welchem Recht darf der Staat meine persönliche Freiheit einschränken, wo ich mich doch niemals dazu entschieden habe, Deutscher zu sein oder in Deutschland zu leben? Wäre es eine moralische Pflicht, Hitler zu töten? Wenn ja, warum töten wir nicht einen Menschen und benutzen seine Organe, um fünf Menschen zu retten? Was ist Wissenschaft? Kann uns die Mathematik etwas über die Realität sagen? Was ist Realität? Gibt es Gründe, anzunehmen, dass wir nicht in der Matrix leben? Können wir überhaupt etwas über die Welt wissen oder nur über unsere Sicht auf die Welt? Gibt es einen Gott? Wenn ja, welchen? Kann die Bibel oder der Koran als handlungsweisende Autorität angesehen werden? Ist ein Papst, der nach Afrika fliegt und verkündet, Kondome seien schlecht, unmoralisch? Kann ein religiöser Mensch unmoralisch handeln, wenn er dem Worte Gottes folgt? Gibt es absolute Gewissheiten? Was ist ein Naturgesetz? Gibt es einen Sinn des Lebens? Haben wir Menschen eine Bedeutung jenseits der Bedeutung, die wir selbst unserem Leben geben? Wie wird man glücklich? Gibt es einen Weg zum Glück? Haben wir das Recht, anderen Kulturen zu verbieten, aus traditionellen Gründen die Geschlechtsorgane ihrer zwölf Jahre alten Töchter zu verstümmeln? Wie ließe sich ein solches Recht begründen? Gibt es Menschenrechte? Wenn ja, woher kommen sie? Ist Krieg unmoralisch? Was ist Gerechtigkeit? Hat der Mensch eine Würde? Was ist überhaupt Würde - hast du sie jemals erfahren? Müssen wir tolerant gegenüber anderen Kulturen sein? Dürfen wir muslimischen Einwanderern verbieten, Moscheen zu bauen, um unsere eigene Kultur zu 'schützen'? Muss die Politik eines Landes unabhängig von religiösen Prämissen geführt werden? Wenn ja, ist es in Ordnung, dass der Staat in Deutschland die Kirchensteuern eintreibt? Was ist eine gerechte Gesellschaft? Was für einen Einfluss hat die Globalisierung auf das Selbstverständnis des Menschen? Darf ich mich selbst befriedigen? Darf man Menschen töten (in den USA und China zum Beispiel, darf man das). Wann hat eine Nation das Recht auf Selbstbestimmung? Was spricht für das Existenzrecht Israels? Was ist Verantwortung? Habe ich eine Verpflichtung, meinem Land zu dienen? Gibt es einen freien Willen? Wenn nein, kann es Verantwortung geben? Gibt es einen einzigen Grund dafür, anzunehmen, dass wir nach unserem Tod mehr sind als Futter für die Würmer? Was ist ein erfülltes Leben? Ist Geld wichtig? Und warum zum Teufel empfindet nicht jeder all diese Fragen als absolut zentral für sein persönliches Selbstverständnis? An welchen Werten können/sollen wir uns orientieren in diesem Leben? Zählt am Ende einfach nur, dass ich aufrecht geliebt habe? Sind all diese Fragen gar am Ende einfach nur Zeitverschwendung?"

Darum.

Montag, 16. November 2009

- Komische Fakten V -

Heutiger Bestandteil unserer Serie "Komische Fakten": Der philosophische Stil von Ludwig Wittgenstein.
Hier ein besonders schoener Auszug aus den Philosophischen Untersuchungen. Das Thema ist, was wir eigentlich unter dem Wort 'Schmerz' verstehen und wie wir seinen Gebrauch lernen (glaube ich...).







293. Wenn ich von mir selbst sage, ich wisse nur vom eigenen Fall, was das
Wort "Schmerz" bedeutet,-muB ich das nicht auch von den Andern sagen? Und
wie kann ich denn den einen Fall in so unverantwortlicher Weise verallgemeinern?
Nun, ein Jeder sagt es mir von sich, er wisse nur von sich selbst, was Schmerzen
seien!--Angenommen, es hatte Jeder eine Schachtel, darin ware etwas, was
wir "Kafer" nennen. Niemand kann je in die Schachtel des Andern schaun; und
J eder sagt, er wisse nur vom Anblick seines Kafers, was ein Kafer ist.-Da
konnte es ja sein, daB Jeder ein anderes Ding in seiner Schachtel hatte. Ja, man
konnte sich vorstellen, daB sich ein solches Ding fortwahrend veranderte.Aber
wenn nun das Wort "Kafer" dieser Leute doch einen Gebrauch hatte?So
ware er nicht der der Bezeichnung eines Dings. Das Ding in der Schachtel
gehort iiberhaupt nicht zum Sprachspiel; auch nicht einmal als ein Etwas: denn
die Schachtel konnte auch leer sein.-Nein, durch dieses Ding in der Schachtel
kann 'gekiirzt werden'; es hebt sich weg, was immer es ist.
Das heiBt: Wenn man die Grammatik des Ausdrucks der Empfindung nach
dem Muster von 'Gegenstand und Bezeichnung' konstruiert, dann fillt der
Gegenstand als irrelevant aus der Betrachtung heraus.




Der Mann macht mich fertig...

Das Neue befreit





Für zwei Nächte bin ich aus meinem trauten Zimmer 606e ausgezogen und schlafe unten im dritten Stock bei Alex. Der Grund: Fernbeziehungen sind scheiße! Das soll jetzt nicht heißen, dass ich eine Fernbeziehung mit Alex habe, sondern dass Yasmin aus dem fünften Stock gerade ihren Freund zu Besuch hat. Anders ausgedrückt: Stefan aus dem sechsten schläft bei Alex aus dem dritten, weil Yasmin aus dem fünften Männerbesuch hat, der aber aufgrund der Tatsache, dass Yasmin im fünften eine muslimische Mitbewohnerin hat, die nicht mit Männern in seinem Zimmer schlafen darf, ja, äh... eben nicht da schlafen darf.
Also sitz ich jetzt hier im dritten Stock im Gemeinschaftsraum und schreibe meinen Blogeintrag. Waren heute mittag zu viert in Amherst downtown und haben Cappucino/Tee/Kaffee getrunken und Schokolade/Cookies gegessen. Teuta, Marilia, Alex und ich. Wieder einmal kamen im Gespräch unterschiedliche Kulturen zum Ausdruck, was mich wieder etwas daran erinnert hat, warum ich so Spaß am Ausland habe. Und darüber werd ich jetzt ein bisschen reflektieren!


Warum Ausland? Friedrich Nietzsche hat sich zu seiner Zeit mal darüber beschwert, dass die Leute so kleingeistig sind. Was er damit meinte? Die Leute befolgen bestimmte Regeln und sie glauben, dass diese Regeln quasi in den Stein der Natur gemeißelte Naturgesetze sind und man im Falle einer Nichtbefolgung irgendwie moralisch minderwertig ist. Dabei haben die Leute jedoch keine Ahnung, dass schon im Kuhkaff 20 Kilometer weiter andere Regeln gelten, die dort für hochtrabende Naturgesetze gehalten werden. Diesen Gedanken könnte man auch auf die heutige Situation übertragen. In größerem Zusammenhang natürlich. Die Kuhkäffer sind analog hierzu verschiedene Länder auf verschiedenen Kontinenten. Perspektivenwechsel kann helfen, genau jene 'kleingeistigen' oder auch einfach anderen Lebensmuster zu durchschauen, denen wir heute, abhängig von der Kultur, in der wir leben, unterworfen sind. Verglichen mit Deutschland: Die Leute gehen freundlicher miteinander um in New England, sind gastfreundlicher in Port Louis, haben eine andere Auffassung von Höflichkeit in Kuala Lumpur, machen schlicht und einfach besseres Essen in Italien und, wie ich heute gehört habe, feiern bedeutend spaßigere Hochzeiten in Albanien. Einige Dinge sind besser, andere nicht. So greift man sich an den Kopf, wenn man hört, dass eine 'ziviliserte' Nation wie die USA keine gesetzliche Krankenversicherung hat und der Erlöser Obama alle Kräfte aufbieten muss, um das irgendwie durchzubringen. Andererseits werden im 'sozialistischen' Deutschland dem eigentlich mündigen Bürger vom Staat Entscheidungen abgenommen, die er eigentlich selbst treffen müsste. Will ich mich versichern oder nicht? Naja, so ein Eingriff verstößt nach Ansicht einiger Amerikaner nicht ganz zu Unrecht gegen eine gewisse Freiheitsvorstellung, die die Leute hier haben und die einfach ein Teil der Kultur ist.


Aber was springt eigentlich persönlich dabei raus? Schon als ich nach Konstanz umgezogen bin, habe ich das auf einer Seite als Befreiung empfunden. Warum? Weil ich glaube, dass nach meiner Schulzeit mein Verhalten zu einem nicht unbeträchtlichen Teil davon mit geprägt war, was andere in mir sahen. Nach 13 Jahren an einem Ort haben die Menschen ein Bild von dir und irgendetwas in dir macht es dir schwer, dein Verhalten zu ändern, auch wenn du es eigentlich willst, weil du plötzlich merkst, dass dir die und die Seite an dir garnicht mehr so gefällt.
In Konstanz habe ich dieses Gefühl nicht mehr gehabt. Ich habe irgendwie der sein können, der ich war, auch wenn ich noch nie zuvor so war. Das hat sich gut angefühlt und ich glaube, dass das einer der großen Vorteile ist, wenn man aus einem gewohnten Lebensumfeld ausbricht und etwas Neues erlebt. Ich hatte das Gefühl, mich weiter zu entwickeln und das hat sich gut angefühlt und mich mit Zufriedenheit erfüllt.
Ich sehe mein Auslandssemester hier in ähnlicher Weise. Ein Umfeld aus all diesen internationalen Studenten zwingt einen dazu, offen zu sein und das tägliche Leben in einer anderen Kultur für eine doch recht lange Zeit kann einem aufzeigen, was für Seiten man an sich selbst nicht mag und woran man gerne arbeiten würde. Plötzlich diskutiere ich wieder mit Leuten über die Legitimität von Homosexualität – in Deutschland ist das gar keine Frage mehr. Aber es gibt hier einfach Leute, die der Meinung sind, sowas mache man nicht und wenn man es mache, dann doch bitte gefälligst in daheim, wo andere es nicht sehen. Darüber zu diskutieren ist interessant. Neulich sagte mir ein Freund: Homosexuelle sollten keine Kinder erziehen dürfen, weil die sonst auch schwul/lesbisch werden und dann die Menschheit ausstirbt eines Tages. Ja, da muss man jetzt erstmal tief Luft holen und dann gehts los. Ich hab ungeschickter Weise mit dem kompliziertesten Einwand begonnen: Was ist bitte das Problem daran, wenn die Menschheit ausstirbt? (Okay, das war zu radikal, geb ich zu. Also meinte ich:) Soll ein Staat Gesetze schaffen, die verhindern, dass die Menschheit ausstirbt? Kann das Aufgabe eines Staates sein? Dann müsste der Staat konsequenter Weise wahrscheinlich auch 'normalen' Paaren vorschreiben, Kinder zu bekommen... wie auch immer, es ist interessant, über diese Dinge diskutieren zu müssen. In der Welt da draußen ist es immer noch, leider, alles andere als selbstverständlich, homosexuelle Menschen in unserer Mitte zu haben. Ich spüre das hier öfter als in Deutschland. Immer wieder auch interessant ist die Religion, zu der ich natürlich ein ganz besonderes Liebesverhältnis habe...
Amerika ist, vielleicht gemeinsam mit Frankreich, das einzige westliche Land auf dieser Welt, das eine derart strikte Trennung zwischen Kirche und Staat hat. Die Realität aber sieht anders aus. Auf jedem Geldschein steht 'In God We Trust' und es ist völlig, VÖLLIG undenkbar, dass ein Politiker in der Öffentlichkeit auftritt und verkündet, er glaube nicht an Gott. Das wäre politischer Selbstmord. Auch da sind wir in Deutschland etwas weiter (Schröder hat, soweit ich mich erinnere, bei seiner Amtseinführung auf den religiösen Eid verzichtet). Naja, die Religion... es ist halt so ein Thema... wenn es nunmal keine stichhaltigen nicht-religiösen Argumente gegen Stammzellenforschung gibt, dann sollten wir Stammzellenforschung betreiben. Wenn aber die religiöse Lobby so stark ist, dass sie Stammzellenforschung verbieten kann, dann ist diese religiöse Lobby verantwortlich für all das Leid jener Menschen, deren Krankheiten durch die Forschung hätten beendet werden können. Aber gut... ich schweife ab.
Es ist alles in Bewegung, die Welt um mich herum, ich selbst, alles rollt. Ich lese unheimlich viel, fühle mich jeden Tag von neuem herausgefordert von all diesen großen Denkern, die da ihr Geld damit verdienen, ihre intellektuellen Kämpfe auszufechten. Und all diese neuen Menschen, die  ich hier dankenswerter Weise kennen lernen darf, stimulieren mich mit ihren Weltanschauungen, ihren Problemen, ihren Träumen, ihren Vorzügen, ihrer Verstocktheit, ihrer... Andersartigkeit (gerade ist Alex' chinesischer Mitbewohner mit dem Handy auf der Toilette gesessen und hat sein Geschäft verrichtet, während er laut mit irgendeinem Freund auf chinesisch diskutiert hat – zumindest dem Tonfall nach...*).


Kennt ihr das Gefühl, wenn man im Urlaub ist und sich einfach völlig wohl fühlt und einfach genau so ist, wie man sein möchte, weil man einfach darauf pfeift, was die anderen denken, weil die einen je eh nicht kennen? Ich glaube, dass jeder Mensch gut daran ist, zu versuchen, dieses Gefühl aufrecht zu erhalten und es tagtäglich zu leben. In der Fremde kann man das gut trainieren... und das Endziel ist, das auch in Deutschland genau so zu machen. Und so, trahahahaha, die Moral von der Geschicht (Thema aus Fluch der Karibik im Hintergrund):


Erst in der Fremde lernt der Mensch, sich selbst zu sehen,
erst in der Fremde kann der Mensch sich selbst verstehen.


So, das war wieder genug des Hochtrabenden für heute! Ich geh pennen! :-)
Ich drück Ägypten die Daumen!


so long












*das mit dem Tonfall bezieht sich auf die Diskussion, nicht auf das Geschäft.

Mittwoch, 11. November 2009

Break of Dawn

One day, no dawn might be comin',
all happiness will fall to dust.
Your life's clashes burn to ashes
when it arrives, the final dusk -
so just remember: Time is runnin'.


Live your life in such a way,
that happiness it is, you spawn.
Before you sleep, smile for a while
and, dreaming to the break of dawn,
look joyful forward to the day.

Amherst's Maradona

Da der Amerikaner erst mit 21 Jahren offiziell Alkohol trinken darf, ist er darauf bedacht, Hausparties zu organisieren. Als internationaler Austauschstudent ist es nicht immer einfach, mitzubekommen, wann so eine Party stattfindet. Nach etwas mehr als zwei Monaten gibt es jedoch immer mehr unter uns, die Kontakte zu den Einheimischen derart gepflegt haben, dass mal eine Einladung rausspringt. Das ist die eine Moeglichkeit, auf eine Hausparty zu gelangen. Die andere heisst Maradona (Name aus Sicherheitsgruenden geaendert). Maradona ist Argentienier und, kurz gesagt, die krasseste Rampensau, die ich je kennen gelernt habe. Der Typ ist so gut wie jeden Abend unterwegs, kennt alles und jeden und erweitert seinen Bekanntenkreis taeglich um gefuehlte hundert Menschen. Ueberall, wo er hinkommt, rufen alle: "Aah, Maradona" und fangen an, ihm Alkohol auszugeben. Er ist der Typ Mensch, den man besser kennen sollte, wenn man auf abgefuckte und an Coolness nicht zu uebertreffende Hausparties gelangen moechte. Naja, und so wird bei Partydrang eben Maradona angerufen. Er meint dann, er gehe auf eine Party zwischen dem Campus und Amherst Downtown, geschaetzte 15 Minuten zu Fussweg - naja, Maradona ist ein Chaotiker (?) mit einem aeusserst schwach ausgepraegten Sinn fuer geographische Zusammenhaenge. Und so ist die Party dann eben nicht zwischen Campus und Downtown, sondern auf der anderen Seite von Downtwon, ungefaehr eine Stunde zu Fuss entfernt vom Zentrum. Das aber kriegen wir natuerlich erst mit, als wir ihn von unterwegs anrufen (nachdem wir ihn 10mal nicht erreicht haben, weil sein Handy aus war). Er sitzt gerade in irgendeinem Auto und ist bald bei der Party. Er meldet sich, wenn er da ist. Und da kriegen wir 15 Minuten spaeter tatsaechlich eine SMS mit der Adresse. Wir fragen uns durch, springen in einen Bus, springen wieder raus und sind immer noch Meilen entfernt... entnervt rufen wir irgendwann ein Taxi und lassen uns den Rest des Weges fahren.
Bei der Party angekommen ist unsere Stimmung wieder oben. Wir betreten das Haus, werden herzlich von den Amerikanern empfangen, wie es ueblich ist. Cooles Haus, coole Party, gute Musik. In der Kueche gibt es sogar noch ein bisschen Alkohol. Wir schicken die Maedels auf Organisationstrips. Nach einigen Minuten kommen sie zurueck mit Bier in der Hand. Wir teilen es. Wieder einmal wird deutlich, was fuer Folgen die Alkoholgesetze in Massachusetts haben. 20 Jaehrige duerfen nicht trinken, also machen sie es heimlich - und zwar exzessiver als ich es aus Deutschland kenne. Massenhaft Maedels und Typen koennen nur noch extrem beschwerlich durch die Gegend laufen und brauchen Stuetzen. Gut, sieht man auch in Deutschland, aber eben nicht so ausgepraegt. Dieses Alkoholgesetz ist eine der Hauptursachen dafuer, dass sich die Amis sobald sie auf die Uni kommen, erstmal exzessiv der Partywelt und dem Alkohol widmen. Bei uns ist es eben fuer einen 19 Jaehrigen nichts besonderes, mal ein kuehles Bier zu trinken...
Irgendwann unterhalte ich mich mit einer Amerikanerin. Nachdem ich drei Saetze sage, meint sie: "Oh, your accent is so cute, can I give you a hug?" ("Dein Akzent ist so suess, darf ich dich umarmen?"). Klar darf sie mich umarmen, aber danach sollte sie lieber ein Butterbrot essen, ins Bett gehen, sich ausschlafen und sich beim naechstenmal nicht so abschiessen, dass sie garnix mehr weiss am naechsten Tag. Das hab ich nie verstanden: Alkohol ist ohne Frage ein Stimmungsverbesserer - aber wo zum Teufel ist der Sinn, wenn ich mich so abschiesse, dass ich nicht mal mehr weiss, ob ich einen schoenen abend hatte?! Naja, seltsame Welt manchmal...

Oh, und Maradona? Wir fragen uns durch, ob er hier irgendwo herumhaengt. Da stellt sich heraus, dass er hier war, es aber scheisse fand und schon wieder abgezischt ist auf die naechste Party. Naja, und so bleibt er unsichtbar fuer uns an diesem Abend, wir sehen ihn nicht mehr. Aber es lohnt sich, ihn zu kennen. Durch sein Geleit und seine Weisungen gelangen wir immer wieder ins gelobte Land der Hausparties. Die Hand Gottes...

Samstag, 7. November 2009

Philipp hat Recht

Philipp Lahm mag mit seinem Systemkritiksinterview in der Samstagsausgabe der SZ die vereinsinternen Vorgaben, keine interne Kritik über die Medien zu verbreiten, gebrochen haben... eines wird aber mit zunehmender Spielzeit immer offensichtlicher: der Mann hat einfach Recht.
Dies ist recht eindeutig zu erkennen, wenn wir uns in die Rolle von Louis van Gaal (gut: Pranjic und Braafheid waren Böcke) versetzen und die simple Frage stellen: was soll der denn eigentlich machen? Er hat zwei Möglichkeiten: entweder er lässt 4-4-2 spielen oder er spielt 4-3-3. In beiden Fällen ist die Transferpolitik der Post-Klinsmann Zeit eine mittelschwere Katastrophe. Spielen wir die Fälle einmal durch.

4-4-2:
Van Gaals erste bevorzugte Variante. Problem: wer spielt die 10? Angefangen hat Ribery, allerdings will der lieber auf links spielen, wo er auch besser ist. Schweinsteiger? Hält das für seine beste Position, konnte da aber keinen Stich setzen. Stürmen würden wohl Gomez/Klose oder Klose/Toni, was immer die Folge hätte, dass einer dumm aus der Wäsche guckt, was aber bei einer europäischen Spitzenmannschaft eben der Fall ist. Man schaue sich mal an, was in Barcelona auf der Bank sitzt. Aber was bitte macht man mit einem Tymoschtschuk (oder wie man den auch immer schreibt...)? Der wird als 6er geholt (als 'Ersatz' für Ze Roberto?), obwohl van Bommel da ist. Und den muss man spielen lassen, weil er einen Kapitän braucht. Also Tymoschtschuk nach rechts ins Mittelfeld? Notlösung. Zumal Altintop immer schon besser gespielt hat als Tymoschtschugg. Und auf der 10 wird dann halt durchprobiert, weil Franck wieder links spielt. Sosa (inzwischen wieder nach Hause ausgeliehen), Müller (bei allem Talent zu jung unerfahren und unabgeklärt für diese Position) oder doch wieder Schweinsteiger? Ja, was soll man da machen? Und dann wird plötzlich Robben geholt. Und jetzt? Robben im linken Mittelfeld? Plötzlich sitzt der Millioneneinkauf Tymmoschtschucg auf der Bank. Da hat der Philipp schon recht: man sollte Spieler nicht einfach holen, weil sie gut sind, sondern weil man einen Plan hat. Und die Spieler Gomez und Tymmy wurden geholt, während van Gaal noch nicht unter Dach und Fach war. Also, wie soll der FC Bayern 4-4-2 spielen? Van Bommel, Robben, Ribery, Schweinsteiger, vorne Gomez/Klose. Das scheint mir die beste Variante.

4-3-3: Das von van Gaal bevorzugte System bietet sich vor allem nach der Verpflichtung von Robben an. Vorne drinnen ein Stürmer, flankiert von Ribery links und Robben rechts. Dahinter Schweinsteiger, van Bommel und Tinmontschuk oder Altintop oder Müller. In diesem Fall hätte man aber vielleicht einen Stürmer (namens Toni) verkaufen müssen. Was halt in diesem System problematisch ist: wenn Ribery oder Robben ausfällt, kann man nicht mehr 4-3-3 spielen, weil (ausser vielleicht der Alleskönner Müller) kein anderer Aussenstürmer spielen kann. Toni, Klose, Gomez - alle keine Aussenstürmer. Und so hat im Moment die Verletzung eines Topspielers eben immer eine Systemumstellung zur Folge, anstatt dass man einfach den Verletzten durch einen Ersatzspieler ersetzen könnte. Wer 4-3-3 spielen will, braucht mehr potentielle Außenstürmer! Wie soll sich die Mannschaft denn so an ein System gewöhnen?

Der Philipp hat da einfach recht. Man braucht ein System und sollte dann die Spieler danach aussuchen, ob sie ins System passen. Wenn van Gaal 4-3-3 spielen will, dann muss der Verein nachziehen. Die Zeiten sind vorbei, in denen ein Trainer mit Hitzfeld-Einstellung ("Ich arbeite mit dem Spielermaterial, das mir vom Management vorgesetzt wird") national dominieren kann. Geschweige denn international. Was ist also zu tun? Wir brauchen zu allererst ein System! Und das muss dann konsequent verfolgt werden! Wenn wir 4-4-2 spielen, dann brauchen wir eine 10! NICHT Robben und NICHT Ribery und NICHT Schweinsteiger, sondern einen Diego oder ähnliches Material. Das muss die nächste Anschaffung sein. Oder es wird 4-3-3 gespielt. In diesem Fall sollte Toni nahegelegt werden, den Verein zu verlassen, weil wir mit Gomez/Klose gut bedient sind. Außerdem muss dann noch einer in den Kader, der ein adäquater Außenstürmerersatz für Ribery und Robben ist. Dann wären wir nächste Saison mit Tymoschtschuk/Schweinsteiger/Kroos gut besetzt. Ja genau: Toni Kroos. Der kommt zurück und muss spielen. Wahlweise könnte Ribery auch linkes Mittelfeld spielen und Müller linker Außenstürmer.
Und die Abwehr? Da braucht man noch einen rechten Verteidiger! Denn eines ist klar: Bitte bitte bitte bitte bitte: lasst den Philipp wieder links hinten spielen...

Dienstag, 3. November 2009

Die Lebenstestfrage

Wow, das hat Kraft gekostet. Die letzten Tage im Oktober waren exzessiv in so ziemlich jeder Hinsicht. Ich hatte 9 Tage Zeit, um ein 16-Seiten Papaer zu schreiben, wir hatten Playoffs mit unserer Fußballmannschaft, ich wurde krank und nebenher bahnte sich Halloween an und damit eine Kostümorganisationsaktion. Und alles nimmt soviel ZEIT in Anspruch... Welche Mitglieder der Mannschaft können an welchem Wochentag spielen, wer kann nicht und muss zu einem Seminar, warum zum Teufel ist Julian nicht auf dem Feld, soll ich mit meiner Grippe spielen oder nicht, welches verdammte Kostüm trage ich am Freitag und Samstag und durch welche gewiefte Beweisführung zeige ich, dass der Regelutilitarismus extensional äquivalent mit dem Handlungsutilitarismus ist? Das alles waren fragen, denen ich mich zu stellen hatte - und es auch tat. Nunja, und dann haben wir das erste Spiel der Playoffs überragend 5:2 gewonnen, ich habe ein Kostüm gekauft, wir haben das zweite Spiel gewonnen, weil die andere Mannschaft nicht aufgetaucht ist, ich habe mich in der Bib eingeschlossen um zu schreiben, wir sind aus dem Turnier geflogen, weil wir nicht genügend Spieler hatten (10:0 verloren, keine Ahnung, was die anderen alle getrieben haben und wo die waren...), dann war ich krank und bin deshalb am Freitag daheimgeblieben, obwohl ich Tickets für eine Riesenparty hatte, die berühmt im ganzen Ländle ist, um mich für Shotas Hausparty am Samstag vorzubereiten. Halt! Stimmt gar nicht, ich bin am Freitag zwar daheimgeblieben, aber dann spontan mit ner Freundin nach dem Abendessen nach Downtown gegangen, weil ihr Geburtstag war und da sind wir dann unverhofft Zeugen eines ziemlich geilen kleinen Konzertes geworden und ich kam natürlich später und mit mehr Kopfweh ins Bett als ursprünglich erwartet und... uff.

UFF. Sonntag nach der Halloween Party war ich dann am Ende meiner physischen Kräfte. Dann bin ich zur Bibliothek getigert und hab dort vier einhalb Stunden am Stück auf fünf Seiten Edward Regis' Version des Ethischen Egoismus auseinandergenommen. Danach war ich ein Zombie, eine ausgebrannte Höhle, ein... achwasweissich. Jedenfalls waren auch meine intellektuellen Fähigkeiten an diesem Sonntag abend nur noch mit einem Wort zu beschreiben: "blubb".
Also früh ins Bett, Montag früh aufgestanden und nochmal über das Paper drübergelesen - dann per Mail an meinen Professor geschickt und dann festgestellt, dass ich zwei Stunden zu spät bin. Ja, habe am Sonntag im Fieberdelirium 9 statt 6 gelesen... Also fix eine Email an meinen Professor aufgesetzt, ihn um Verzeihung gebeten und darum, dass er mir das doch trotzdem anrechne... und falls nicht wünsche ich seinem Hund guten Appetit (Prof. Feldman hatte vor zwei Wochen angekündigt, zu spät abgegebene Examen seinem Hund in den Fressnapf zu hexeln). Bisher habe ich keine Antwort von ihm bekommen, aber ich bin guter Dinge...

Diese Woche werde ich mich ausruhen. Und alles gaaaaanz langsam angehen. Zum Beispiel die 5-6 Seiten Kritik an Ayers Ansichten über Ethik und Moral, die ich Donnerstag einreichen sollte. Gaaanz langsam werde ich das morgen in der Bib machen. Uff. Und dann werd ich abends daheim sein und Tee trinken und ein Buch lesen. Hab mir heut eins gekauft. Eins ohne Philosophie.


Das Gute ist, dass ich meine Lebenstestfrage immer noch beantworten kann. Eine Lebenstestfrage besteht aus einer Frage, die den kompletten Lebensentwurf, der derzeitig gelebt wird, hinterfragt. Ich zum Beispiel studiere Philosophie und bin in Amerika und mache meinen Master und habe die Idee, dass mich das befriedigt und auf eine ziemlich verquere Art irgendwie glücklich macht... und deshalb habe ich mir eine Lebenstestfrage überlegt, die ich mir stellen kann, wenn ich mir nicht mehr GANZ sicher bin, ob ich noch machen will was ich mache. Die Frage lautet: "Warum zum Teufel sitzt Du nicht gerade auf Ko Phangan und baust eine Strandbar?" Ko Phangan ist eine kleine Insel im Golf von Thailand, die sehr schön ist und auf der es sich leben lässt. Und ich bin fest davon überzeugt, dass ich da mit dem (eventuell vergleichsweise geringen) praktischen Verständnisvermögen, das mir von meiner mitteleuropäischen Kultur anerzogen wurde, ziemlich erfolgreich sein könnte... naja, aber solange mir das hier noch mehr Spaß macht als Barmann an einem Traumstrand... auch gut! Ich werds jetzt erstmal wieder etwas ruhiger angehen lassen. Und falls es mich mal wirklich über mehrere Wochen hinweg so ankotzt, dass ich nur noch abhauen will, dann sitz ich im ersten Flieger nach Bangkok. Hab schließlich auch nur ein Leben...