Die Hälfte meines Semesters habe ich hinter mir. Meine ersten drei Essays habe ich geschrieben, meine erste große Arbeit wird in der kommenden Woche angegangen. Mit unserer Fußballmannschaft sind wir letzte Woche in die Playoffs eingezogen, mal schauen, wie wir abschneiden im weiteren Verlauf des Turniers!
Gestern war ich bei meinem ersten Ice-Hockey Match. Beeindruckend, was die da für eine Show abziehen, wenn sie vielleicht auch nicht ganz so groß ist, wie die Football-Show. Es gibt einfach immer noch megaviel Neues zu sehen und zu tun! Habe mir ein Halloween-Kostüm angeschafft, den neuen MichaelMooreFilm gesehen (sehenswert), sehr viel gelesen (vor allem Marx, Locke und Ayer), eine erste Klausur geschrieben, die ganz gut gelaufen ist und morgen ist Jay Z Konzert hier auf dem Campus. Ja, das ist eine dieser Geschichten, bei denen man merkt, dass hier alles viel viel größer ist als in Deutschland...
Vor zwei Tagen war ich auf einer Party in Downtown, mit einer ganzen Gruppe internationaler. Die Mädels hier in den Diskotheken übertreiben es. Kaum bist du auf der Tanzfläche, pressen die Dir ihren Hintern gegen das Geschlechtsorgan und los gehts! Was sich im ersten Moment anhört wie das Paradies auf Erden, entpuppt sich aber mittel- bis langristig als nervtötend. Es ist nämlich beinahe unmöglich, eine irgendwie geartete Spannung aufzubauen. Es wird keine einzige Sekunde lang körperlos getanzt. Und so wird jeglicher Jagdinstinkt einfach geflissentlich ignoriert. Vorbei ist die Zeit, in der man sich aus der Ferne anlächelt, sich langsam mit einigen mehr oder weniger gelungenen Bewegungen tanzend näherkommt um sich dann nach einem furiosen Finale inklusive Aufbau von Körperkontakt mental auf die Schulter zu klopfen - nein, so läuft das hier nicht. Alle Männer laufen zielsuchend über die Tanzfläche (noch auffälliger als ohnehin immer schon) und dann wird einfach die nächstbeste weibliche Mitbürgerin kurzentschlossen an der Hüfte gepackt und sich vor den Bauch geklemmt. In den meisten Fällen schaut das Gesicht der Tanzenden nicht nach Freude aus, sondern nach verbissenem Lässig-Sein. Kaum ein Lächeln auf der Tanzfläche. Alle versuchen angestrengt, sexy und cool zu sein. Auch interessant ist, dass die Mädels ganz erschrocken reagieren, wenn man sie anspricht. Die sind das nicht gewohnt! Das schreckt die ab, wenn du als Typ anfängst, mit denen zu sprechen. So kann es passieren, dass du 10 Minuten und ohne jegliches Vorgeplänkel (wie zum Beispiel Augenkontakt) mit Hinterteil und Rücken einer Frau tanzt und dich dann - plötzlich neugierig geworden, wie die gute Dame eigentlich auf der anderen Seite aussieht - gekonnt um sie herum schwingst, sie anlächelst und nach ihrem Namen fragst... und sie einfach weggeht. Ja, bei aller körperlicher Nähe könnte die gefühlte Distanz nicht größer sein. Und so tanzt du dann nicht mit Personen, sondern mit Ärschen. Scheiße.
So, jetzt mach ich mich daran, zu verstehen, was für ein Problem der gute Ayer mit der Moralphilosophie hat. Oh, da fällt mir eine Anekdote ein. Die gibt es leider nur auf Englisch im Internet zu finden. Aber sie ist lustig, deshalb schreibe ich sie trotzdem hier rein!
ne of the last of the many legendary contests won by the British philosopher A. J. Ayer was his encounter with Mike Tyson in 1987. As related by Ben Rogers in ''A. J. Ayer: A Life,'' Ayer -- small, frail, slight as a sparrow and then 77 years old -- was entertaining a group of models at a New York party when a girl ran in screaming that her friend was being assaulted in a bedroom. The parties involved turned out to be Tyson and Naomi Campbell. ''Do you know who the fuck I am?'' Tyson asked in disbelief when Ayer urged him to desist: ''I'm the heavyweight champion of the world.'' ''And I am the former Wykeham professor of logic,'' Ayer answered politely. ''We are both pre-eminent in our field. I suggest that we talk about this like rational men.''Ciao.
Die Zeit flieht.

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