Da der Amerikaner erst mit 21 Jahren offiziell Alkohol trinken darf, ist er darauf bedacht, Hausparties zu organisieren. Als internationaler Austauschstudent ist es nicht immer einfach, mitzubekommen, wann so eine Party stattfindet. Nach etwas mehr als zwei Monaten gibt es jedoch immer mehr unter uns, die Kontakte zu den Einheimischen derart gepflegt haben, dass mal eine Einladung rausspringt. Das ist die eine Moeglichkeit, auf eine Hausparty zu gelangen. Die andere heisst Maradona (Name aus Sicherheitsgruenden geaendert). Maradona ist Argentienier und, kurz gesagt, die krasseste Rampensau, die ich je kennen gelernt habe. Der Typ ist so gut wie jeden Abend unterwegs, kennt alles und jeden und erweitert seinen Bekanntenkreis taeglich um gefuehlte hundert Menschen. Ueberall, wo er hinkommt, rufen alle: "Aah, Maradona" und fangen an, ihm Alkohol auszugeben. Er ist der Typ Mensch, den man besser kennen sollte, wenn man auf abgefuckte und an Coolness nicht zu uebertreffende Hausparties gelangen moechte. Naja, und so wird bei Partydrang eben Maradona angerufen. Er meint dann, er gehe auf eine Party zwischen dem Campus und Amherst Downtown, geschaetzte 15 Minuten zu Fussweg - naja, Maradona ist ein Chaotiker (?) mit einem aeusserst schwach ausgepraegten Sinn fuer geographische Zusammenhaenge. Und so ist die Party dann eben nicht zwischen Campus und Downtown, sondern auf der anderen Seite von Downtwon, ungefaehr eine Stunde zu Fuss entfernt vom Zentrum. Das aber kriegen wir natuerlich erst mit, als wir ihn von unterwegs anrufen (nachdem wir ihn 10mal nicht erreicht haben, weil sein Handy aus war). Er sitzt gerade in irgendeinem Auto und ist bald bei der Party. Er meldet sich, wenn er da ist. Und da kriegen wir 15 Minuten spaeter tatsaechlich eine SMS mit der Adresse. Wir fragen uns durch, springen in einen Bus, springen wieder raus und sind immer noch Meilen entfernt... entnervt rufen wir irgendwann ein Taxi und lassen uns den Rest des Weges fahren.
Bei der Party angekommen ist unsere Stimmung wieder oben. Wir betreten das Haus, werden herzlich von den Amerikanern empfangen, wie es ueblich ist. Cooles Haus, coole Party, gute Musik. In der Kueche gibt es sogar noch ein bisschen Alkohol. Wir schicken die Maedels auf Organisationstrips. Nach einigen Minuten kommen sie zurueck mit Bier in der Hand. Wir teilen es. Wieder einmal wird deutlich, was fuer Folgen die Alkoholgesetze in Massachusetts haben. 20 Jaehrige duerfen nicht trinken, also machen sie es heimlich - und zwar exzessiver als ich es aus Deutschland kenne. Massenhaft Maedels und Typen koennen nur noch extrem beschwerlich durch die Gegend laufen und brauchen Stuetzen. Gut, sieht man auch in Deutschland, aber eben nicht so ausgepraegt. Dieses Alkoholgesetz ist eine der Hauptursachen dafuer, dass sich die Amis sobald sie auf die Uni kommen, erstmal exzessiv der Partywelt und dem Alkohol widmen. Bei uns ist es eben fuer einen 19 Jaehrigen nichts besonderes, mal ein kuehles Bier zu trinken...
Irgendwann unterhalte ich mich mit einer Amerikanerin. Nachdem ich drei Saetze sage, meint sie: "Oh, your accent is so cute, can I give you a hug?" ("Dein Akzent ist so suess, darf ich dich umarmen?"). Klar darf sie mich umarmen, aber danach sollte sie lieber ein Butterbrot essen, ins Bett gehen, sich ausschlafen und sich beim naechstenmal nicht so abschiessen, dass sie garnix mehr weiss am naechsten Tag. Das hab ich nie verstanden: Alkohol ist ohne Frage ein Stimmungsverbesserer - aber wo zum Teufel ist der Sinn, wenn ich mich so abschiesse, dass ich nicht mal mehr weiss, ob ich einen schoenen abend hatte?! Naja, seltsame Welt manchmal...
Oh, und Maradona? Wir fragen uns durch, ob er hier irgendwo herumhaengt. Da stellt sich heraus, dass er hier war, es aber scheisse fand und schon wieder abgezischt ist auf die naechste Party. Naja, und so bleibt er unsichtbar fuer uns an diesem Abend, wir sehen ihn nicht mehr. Aber es lohnt sich, ihn zu kennen. Durch sein Geleit und seine Weisungen gelangen wir immer wieder ins gelobte Land der Hausparties. Die Hand Gottes...
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