Freitag, 26. März 2010

Springbreak Florida

Teuta und ich trennen uns, als wir in La Guardia, New York City ankommen. Ihr Flug geht eine halbe Stunde vor meinem. Ich hab einen Monat früher bei Delta gebucht, sie bei AirTran. Die üblichen Sicherheitskontrollen, die üblichen Essensläden... Flughafen eben. Was neu für mich ist: das Chaos. Die Bildschirme sagen, mein Flug sei an Gate 5, mein Ticket behauptet, es sei Gate 2. An Gate 2 is aber nix, an Gate 5 irgendein anderer Flug. Irgendeiner hat da massiv was verbockt. Irgendwann finde ich dann heraus, dass mein Flug ne Stunde Verspätung hat. Ich sollte eigentlich um 17.00 Uhr landen, nun wirds wohl 18.00 Uhr. Immer noch kein Problem, da der Herr Bischof ja erst um 19.30 ankommt. Schnell Teuta eine SMS geschrieben, dass ich später komme.
Dann wird mein Flug immer weiter nach hinten verschoben. Als ich schließlich an Bord bin, stehen folgende Dinge fest: ich komme erst um ca. 20.15 Uhr an, Daniel geht davon aus, dass ich ihn abhole an seinem Gate, Daniel kann nicht kontaktiert werden, weil er kein Handy hat und ich außerdem mein Handy während dem Flug ja nicht benutzen darf. Die einzige Lösung besteht also in einer weiteren SMS, die ich Sekunden bevor sich mein Flieger in Bewegung setzt noch abschicke.

Hey again! I will not arrive until 8.15! Delay... Can u meet Daniel Bischof for me?He is arriving at 7.30 with flight AC 0912 – Air Canada -. Best would be to buy some paper and write his name on it and wait at the gate. He is tall, blond hair, suit and glasses possible. If u miss him, try to send him a message on facebook. I had no connection in nyc. I am in the plane now! I will call u asap! U can do this! [...]

Alles klappt. Teuta holt Bischof ab (sie wusste von seinem Facebook-Profilbild noch, wie er aussieht) und wir treffen uns alle in der großen Haupthalle des Flughafens von Orlando. Einen Stock tiefer hat Alamo seinen Sitz, wo wir auch sogleich unseren reservierten SUV abholen. Großes Gerät, schönes Auto, guter Bass.
Und lohos gehts dann mit Bischofs GPS in Richtung unserer Unterkunft. Motel 6, eine kleine und bescheidene Unterkunft, die unserem Studentengeldbeutel wunderbar entspricht – in der ersten Nacht zahlen wir zu dritt knapp 70$. Nick und Petros werden erst morgen, am Sonntag, ankommen.
Wir cruisen noch ein wenig auf der Suche nach Essbarem durch das abendliche Orlando, gehen dann aber auch schon ins Bett.
Orlando ist keine interessante Stadt. Orlando ist die Freizeitfamilienparkwelthauptstadt. Disneyworld, Universal Studios, Wasserpark, Wassertierpark (ja, hier hat der Orca neulich seine Trainerin zerfleischt...) und und und... laaaangweilig! Und teuer! Teuta, Bischof und ich fahren am Samstag morgen in einen kleinen Park in der Innenstadt, gehen um einen See herum und beschließen dann, in Richtung Ost Floridas aufzubrechen. Strand, mehr, Sonne. Wir fahren etwa eine Stunde in Richtung Cape Canaveral (wo die Raumschiffe immer abfliegen tun), halten uns dann aber südlich um an einen Strand zu gelangen. Springbreak! Der Strand ist voller Studenten, die sich wahllos betrinken und Party machen. Wir gehen schwimmen (Bischof wars zu kalt! ;-) ), spielen Racketball (das mit den Holzschlägern und dem Plastikball), machen einen Strandspaziergang und hängen am Strand rum. Gemütlicher Tag, so müssen Ferien beginnen!

Am Abend holen wir dann Pete am Flughafen ab, nachdem wir einen Anruf von Nic bekommen haben – auch sein Flug aus New York hat Verspätung. Er wird morgens um 4 erst ankommen... Dann noch ein Anruf von Nick. Er sitzt jetzt in nem Flieger nach Fort Myers und hat sich eine Mitfahrgelegenheit nach Orlando organisiert. Wird morgens um ca. 9 oder so am Flughafen sein. Wir holen ihn da ab und fahren los Richtung Westküste Florida – Golf von Mexiko.

Tampa und St. Petersburg sind unsere erste Station. Das Übernachten wird jetzt, da wir zu fünft sind, noch billiger. Wir reservieren regelmäßig Viermannzimmer; Nic hat eine Luftmatraze dabei und pennt auf dem Boden. So sparen wir Kohle. Die Übernachtung kostet dann im Schnitt 16$ pro Person. Das sind vielleicht so 12/13 Euro. Damit kann man auch als Student Roadtrips machen! :-)
Beachvolleyball (haben von so einer Gruppe von 8 Indern bös aufs Maul bekommen...), schwimmen (wieder nur Teuta und ich, die Jungs memmen rum), Racketball und dann am Abend Bierchen trinken und ne kleine Diskothek.
Früh raus am nächsten morgen um St. Petersburg über die südliche Riesenbrücke zu verlassen. Vorher aber noch ein Stop im Dali-Museum. Sehr schön! Ich kann ja im Allgemeinen mit Museen nicht besonders viel anfangen, weil mir tendenziell nach eineinhalb Stunden langweilig wird. Aber die Bilder Dalis konnten mich echt für zwei Stunden begeistern! Haben eine Führung mitgemacht und extrem interessante Dinge über den guten Spanier erfahren. War wirklich faszinierend!

Dann die Küste runter nach Sarasota. Wir kommen in einer kleinen Inselstadt vor der Küste an, St. Armands (oder so). Klassische reiche Rentner machen Urlaub-Stimmung. Der Ort ist eine einzige um einen Kreisverkehr herum errichtete Shopping-Mall. Aus an den Straßenlaternen angebrachten Lautsprechern tönt klassische Musik und alles ist so schnieke, dass die Augen tränen und man sich einen Hund herbei wünscht, der an irgendeiner Ecke sein Geschäft verrichtet – einfach damits nicht so schrecklich sauber und geschniegelt ist, alles. Aber gut, wir ergreifen die Flucht – die Gegend hier ist ohnehin nur eine Zwischenstation auf unserem Weg nach Sanibel-Island.

Sanibel-Island ist eine schöne Insel im Golf von Mexiko. Hier gibts sehr geile Strände und viel Natur. Die beiden Zyprioten wollen an den Strand, Teuta, Bischof und ich mieten uns ein Kanu und fahren durch einen Mangrovenwald an der Küste. Sehen allerdings keinerlei Monster (auch wenn Teuta zweimal exakt an derselben Stelle im Wasser einen riesigen Hai sah, als wir mit dem Auto über eine Brücke fuhren).
Nicht besonders spektakulär, aber wenigstens Natur und Ruhe und keine Konsumstimmung.

Nächste Station: Everglades. Dieser zweitgrößte Nationalpark der USA ist bekannt für seine Alligatoren und Krokodile. Bischof scheiden an diesem Tag von allen Unternehmungen verletzungsbedingt aus: Magenverstimmung. Teuta, Nic, Pete und ich mieten machen eine Tour mit einem dieser typischen Riesenpropellerboote. Nachdem wir erfolgreich die Pelikane von unserem Boot vertrieben haben, geht die Tour los. Wir schießen durch einen Mangrovensumpf und bekommen tatsächlich einen recht großen Alligatoren zu sehen, den unser Tourguide unter seinem Mangrovenbusch hervorlockt. Der Alligator schwimmt über 30 Meter hinweg langsam auf unser Boot zu, bis ich die Farbe seiner Augen in drei Metern Entfernung sehen kann. Beeindruckend. Nach einer Begegnung mit einem Waschbären fahren wir dann eine Stunde später an einem kleinen Fluss entlang, indem sich zahlreiche Alligatoren tummeln. Ab und an parken wir das Auto und gehen ans Ufer. Da treiben sie seelenruhig dahin, die Viecher! Schon unheimlich...

Und weiter gehts nach Südosten, hinunter in Richtung Keys. Wir werden heute ein wenig oberhalb von Key Largo in einem Motel pennen – morgen solls dann früh weitergehen! Bischof ist krank und schläft früh, Nic und Pete fahren spontan mit dem Auto nach Miami um Party zu machen und Teuta und ich verbringen mangels Strand einen abend am Hotelpool. Raus aus der Hotelanlage trauen wir uns nicht so recht, die Gegend wirkt ein wenig wie ein mexikanisches Ghetto...
Dann am nächsten morgen losgefahren. In der Mitte der Keys halten wir an um Kajak zu fahren. nterwegs halten wir an einer Touristeninformationsstelle und reservieren einen Schnorcheltripp für den nächsten Tag, an dem wir wieder aus Key West zurückfahren und Miami erreichen werden. Nic und Pete wollen erst mit ins Kajak, dann nicht mehr. Die beiden gehen zum Strand. Der Rest der Gruppe mietet ein Doppel- und ein Einzelkajak und dann gehts los in den Mangrovenwald! Mit einer kleinen und unübersichtlichen Karte fahren wir durch ein Mangrovenlabyrinth und verlieren etwas die Orientierung... ist dann aber auch kein großes Problem, wieder rauszufinden! Dann gehts weiter rüber zur Insel einmal quer durch die Bucht. Unterwegs fällt uns auf, dass die Insel irgendwie schon ganz schön weit weg ist und irgendwie auch kein Steg da zu sein scheint, auf dem wir die Insel betreten können. Komisch... naja, wir drehen um und als wir unter der großen Autobahnbrücke hindurchschauen und hindurchpaddeln, wird uns bewusst, dass wir zur falschen Insel gefahren sind. Die Insel, zu der wir eigentlich sollten, ist irgendwie nicht auf der Karte, was uns unser Kartenausgeber offenbar in einem Anfall blinder Garstigkeit vorenthalten hatte. Naja, war trotzdem ein schöner Ausflug...
Am Abend erreichen wir Key West, den südlichsten Punkt der Vereinigten Staaten. Hier tobt ein wenig mehr das Leben. Wir gehen gemütlich essen und genehmigen uns einen Drink, spazieren gemütlich durchs Städtchen und wundern uns wieder einmal über die amerikanische Partykultur, die zu 80 Prozent aus Bier trinken, zu 15 Prozent aus hochprozentigem Alkohol trinken und zu 5 Prozent aus unkreativem-Tanzpornogehabe besteht (wirklich frustrierend, manchmal!!).
Am nächsten morgen genießen wir den Strand, fahren zum southernmost point (der südlichste Punkt!!!!!) der USA und schießen ein Foto. Kuba sehen wir leider nicht an diesem morgen, es ist zu diesig. Lustig machen wir uns darüber, aus was der Amerikaner alles Sensationen herbeizaubern kann. Am southermost point steht nämlich auch das southernmost hotel, das southernmost restaurant und das southernmost house. Alles schön ausgeschildert. Wow. Beeindruckend. Was noch fehlt, ist das southernmost Dixy-Klo. Wäre interessant gewesen, einmal den southernmost Stuhlgang der USA zu... aber gut, lassen wir das...
Der Schnorcheltrip ist super. Daniel ist wieder gesund, dafür ist Nic krank und bleibt am Auto (mein kontinuierlicher prinzipieller Salatverzehr zahlt sich aus...). Wir fahren mit einem Schiff ne halbe Stunde raus in ein Riff. Highlight: wir dürfen nicht ohne Schwimmweste ins Wasser. Jeder muss eine Schwimmweste tragen. Die muss zwar nicht mit Luft gefüllt sein, aber man kriegt halt nicht die Luft komplett raus! Ergebnis: wir müssen uns mehr anstrengen, um runter zu tauchen. So ein Schwachsinn, dieser Sicherheitswahn! Und macht ein bisschen das Schnorchelgefühl zunichte... ist aber trotzdem ein super Trip, vor allem auch wegen der Jesusstatue, die sich in 6 Meter Wassertiefe am Grund des Riffs erhebt. Wir haben Fotos gemacht, mal schauen wie die rauskommen...

Am selben Tag dann erreichen wir Miami. Abends gehen wir nach South Beach essen und trinken, spazieren ein wenig umher und ich genieße wirklich die Großstadtatmosphäre! Die Leute laufen total freakig und in den unterschiedlichsten Klamottenstilen rum – sehr interessant zu beobachten (Erkenntnis wieder einmal: AfroAmerikaner sind einfach die coolsten...). Nic bleibt krankheitsbedingt noch zu Hause, wir anderen gehen in einen Club und machen Party. Ganz nett, wenn auch 20$ Eintritt und 5$ für eine kleine Flasche Wasser etwas überzogen sind... aber gut, Miami Beach und so...
Nach dem Club gehen wir ein wenig spazieren, Teuta kriegt von einem Straßenzoobetreiber eine Python um den Hals gelegt, Pete bekommt einen Papagei auf den Kopf gesetzt. Nein, wir wollen kein Foto machen und nein, wir wollen auch kein Geld bezahlen für die Python. Die findet zur Not schon ihr Essen...

Um halb 4 morgens fahren wir dann Pete zum Flughafen. Bischof schläft auf dem Rücksitz, ich fahre und Teuta hat die dankenswerte Aufgabe, mich wach zu halten. Hab natürlich nix getrunken, war aber todmüde.
Am nächsten Tag dann schlafen wir lange, gehen nach SouthBeach, ich kaufe zwei Sonnenbrillen (eine für Bischof, weil ich seine verloren hab und eine für mich) und wir hängen am Strand rum. Abends dann fahren Teuta, Nic und ich essen zum Italiener, Bischof schläft. Party machen wir heute keine mehr, ich will nicht wieder so müde Auto fahren, wenn ich Teuta und Nic um halb drei heut nacht nach Fort Lauderdale fahre. Wir gehen also etwas früher ins Bett, ich fahre die beiden zum Flughafen und höre mir auf der Rückfahrt Stillmatic von Nas an, bei voller Lautstärke. Die Mucke ist fett genug, um mich 30 Minuten lang mit Rapadrenalin zu versorgen. Ich bleibe hellwach und fahre sicher zurück zum Hotel.
Am kommenden Tag machen Bischof und ich einen Ruhetag. Wir schlafen lange, bringen das Auto zurück zu Alamo nach SouthBeach und laufen drei Stunden lang den SouthBeach hinauf. Irgendwann erreichen wir unser Hotel, ich schreibe mein MidTermPaper für Ethics zu Ende, schicke es zu Feldman und wir gehen pennen. Am nächsten Tag gehts dann zum Port of Miami, wo die Norwegian Sky schon vor Anker liegt.

So schlimm wie in Prof. Feldmans Email wars nu auch wieder nicht in Florida (siehe Komisch Fakten)... Wir hatten ne schöne Zeit, haben viel erlebt und viel gesehen und die Gruppendynamik war sehr... dynamisch! Diskutiert wurde über homosexuelle Paare, die Kinder adoptieren wollen, Healthcare und und und...
Geiler Roadtrip, würd ich wieder machen, wenn ich vielleicht auch das nächste Mal Sarasota und Sanibel Island zugunsten der Keys weglassen würde. Und tendenziell gilt natürlich immer: jede Frau in der Gruppe vermindert die Anzahl er hirnlosen Machosprüche um die Hälfte! Wir hätten mehr Frauen gebraucht... ;-)

PS. Falls er meine Foddos säha wellet, die gibts schbäder! Aber so als kloiner Vorgschmack:

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