Freitag, 26. Februar 2010

Vagina

Ich war gerade im Theater. The Vagina Monologues. War ziemlich viel drinnen, von dumm über saulustig bis geistreich. Noch immer werden in 28 Ländern dieser Welt Klitorisbeschneidungen vorgenommen. Die Klitoris ist ein überaus empfindsames Stückchen weiblicher Körper und ich bin da ja als Mann und Nichtbiologe wirklich kein Experte was die Fakten angeht, aber als die im Theater meinten, dass die Klitoris von den Nervenbündeln her mehr als doppelt so empfindsam ist als der komplette männliche Penis (auf einer bedeutend kleineren Fläche!), da bekommt man (auch als Mann) einen groben Eindruck davon, wie es sein muss, wenn die Klitoris mit einer scharfkantigen Glasscherbe herausgeschnitten wird.
Das Theaterstück ist dazu gedacht, für ein paar Stunden den Fokus der Aufmerksamkeit auf eines zu richten: Vaginas. Und da wird dann nicht nur aufgeklärt, was weltweit in Sachen Vergewaltigung und den psychische Folgen vorgeht, sondern eben auch über Selbstbefriedigung und das daraus resultierende weiblich-sexuelle Selbstvertrauen gesprochen. Thematisiert wurde da zum Beispiel ein Vagina-Seminar, in welchem die teilnehmenden Frauen von der Seminarleiterin mit einem Handspiegel und dem Hinweis ausgestattet wurden, sich bis morgen mal so richtig ausgiebig 'unten rum' zu betrachten.

Der Philosoph John Stuart Mill hat in seinem 1859 erschienenen Werk 'Über die Freiheit' davon gesprochen, dass ein Mensch, solange er die Freiheit der anderen nicht einschränkt, frei ist zu tun, was er möchte. Ausdrücklich wurde da auch der eigene Körper erwähnt. Dieser 'freigeistige' Ansatz ist heute jedoch vielerorts noch immer verpönt. Zum Beispiel waren in vielen amerikanischen Staaten (u.a. natürlich Alabama und Texas) Vibratoren lange Zeit illegal.
Ich habe in meinem Leben nun schon einige Gespräche mit Frauen über ihr Verhältnis zur Vagina geführt und wenngleich ich seeeeeehr fern davon bin, da durchzublicken... ich glaube, es ist gut, dass Mädels da an die Hand genommen und aufgeklärt werden und ihnen beigebracht wird, dass es nicht schmutzig oder verwerflich oder moralisch schlecht ist, zu wissen wie der eigene Körper funktioniert (vice versa für die Jungs, wobei man sich da wahrscheinlich weniger Sorgen machen muss).

Es kann nur von Vorteil sein, den eigenen Körper zu kennen und einen selbstbewussten Umgang mit der eigenen Sexualität zu pflegen. Ob da dann vier Studentinnen auf der Bühne stehen müssen um das Publikum dazu aufzumuntern, in ihre jubelnden 'cunt'-Rufe (etwa 'Fotze') mit einzufallen, sei aus geschmacklicher Perspektive einmal dahingestellt. Provokative Grenzüberschreitungen dürfen ruhig ab und an unternommen werden, wenn es dem Zweck dienlich ist. Hier wird versucht, psychische Schranken niederzureißen. Das ist heute abend höchstwahrscheinlich in einigen Fällen gelungen.

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