Mittwoch, 13. Januar 2010

Brazil. So geht Leben.

Als wir in die blaue Lagune einfahren, herrscht reger Betrieb. Brasilianischer Betrieb. Das bedeutet: Zwischen 50 und 100 Brasilianer und sonstige Touristen treiben auf ihren Spaghetti-Gummi-Dingern im 2-8 Meter tiefen Wasser umher und schauen sich die Fische an. Drei Riesenboote in der Bucht, eines ein Partyboot mit lauter House-Musik und Vodka und knappen Bikinis, die an Bord wild die Hüften schwingen. Diese Spaghetti-Gummi-Dinger sind eine moderne gesellschaftsfähige Version von Schwimmflügeln. Keiner schwimmt mehr selber! Unglaublich! Überhaupt, denke ich mir, verlieren die Menschen immer mehr den direkten Kontakt zur Natur (gut, das klingt jetzt altklug... aber Leude: des schdimmt fai wööklich!), nur die bedeutende Minderheit der Leute auf einem Schnorcheltrip schwimmt ohne Schwimmhilfe, eine überraschend große Anzahl an Leuten kann nichtmal mehr im Wald einen Erdhügel hochklettern, ohne dabei auszusehen wie Paris Hilton im Dschungelcamp und überhaupt tragen alle Kinder heutzutage diese seltsamen Crocs. Bitte bitte bitte: lasst eure Kinder barfuß am Strand und im Wald rumrennen! Ja, der Sand ist manchmal sehr warm, so dass man sich verbrennen kann und im Wald lauern manchmal heimtückische Glasscherben und böse Wurzeln und die scharfkantigen Steine erst!!!... aber das gehört dazu! Man will ja keine Weichei-Kinder, oder?! Also bitte: Kinder, laufet barfuß und lernet Schwimmen und klettert wild in der Gegend umher!
Schnorcheltrip, der etwas enttäuschend war. Normalerweise hat man eine wunderschöne Stelle zum Schnorcheln und dann beschließt man, das ganze per Boottrip für den Touristen zugänglich zu machen. In Ilha Grande scheint es andersrum gewesen zu sein. O-Ton Marketingexperte: "Hez Leude, mir ham geile Strände, ne riesen Insel mit super Wanderwegen und überhaupt ist das voll paradiesisch hier! Wir brauchen halt noch so ne Schnorcheltripsache, sonst fehlt da was. Irgendwie!"
Naja, die Korallen waren nichts besonderes und auch die Fische waren ganz nett, aber nicht mehr (gut, wer Mauritius und Malaysia war, dem gehts jedenfalls so). Die beiden anderen Tage sind dann aber extrem phädd und wieder mal stellt sich heraus, dass die besten Dinge im Leben umsonst sind. Im Hostel, wo wir in einem Raum mit 8 Betten und den unterschiedlichsten Travellern aus aller Welt gepennt haben, haben wir recht schnell Veronika (GER) und Li (ISR) kennen gelernt und dann beschlossen, am kommenden Tag wandern zu gehen, zu einem der Traumstrände auf der anderen Seite der Insel. Uff. Das war was! 35 Grad Mittagshitze und ne Luftfeuchtigkeit, wie es sie eigentlich nur im Wasser geben kann... Aber wir habens geschafft und wurden dann belohnt von einem absoluten hammermäßigen Traumstrand, der is mindestens mit Mauritius und den Perhentian Islands in Malaysia aufnehmen kann. WOW! Und da der Strand schön abgelegen war, waren auch nicht sooo viele Leute da. Einige Coca-Cola Händler hats dann aber natürlich doch noch am Strand und so gibt es wieder nix schöneres für mich, als nach einem beinahe 5 stündigen Wandertrip mit kleineren Pizzapausen inklusive Affenfüttern ne schöne Coke im Schatten einer Palme mit Ausblick auf den azurblauen Atlantik zu trinken. So geht Leben.
Veronika, Julian und ich sind dann noch zurückgewandert - Li hat lieber das Taxiboot von nem Nachbarstrand aus genommen. Zum Dinner gabs dann schön Hähnchenschnitzel Hawai mit Reis und den typischen brasilianischen Bohnen.

Der Strand hat uns dann so umgehauen, dass wir am nächsten Tag gleich wieder hin sind. Mit einem Taxiboot zu einem Nachbarstrand und dann noch schnell eine Kurzwanderung und schon waren wir wieder da. Dösen, lesen, ein wenig Felsenklettern und sogar versucht, zu surfen (allerdings nur Veronika). Und dann gemütlich zurück mit dem Boot. Vorne am Bug, IPod im Ohr, Salz in der Nase, Wind im Haar, Gischt im Gesicht.

Nun sitz ich wieder in Rio de Janeiro mit Julian und Li (die gerade 6 Monate durch Lateinamerika reist). Es ist Mittwoch, Julian fliegt Samstag zurück, ich am Sonntag. Pläne für die restlichen Tage: Santa Teresa, eine Favela-Führung und eventuell Paragliding von nem Berg über Rio hinweg mit Landung in Ipanema-Beach... mal schauen!

So, und nun noch einige Bilder und ein Video, auch von den Tagen in Rio, bevor wir aufgebrochen sind nach Ilha Grande. Einige Bilderbuchmomente waren dabei... ;-)

tschuessikovski.





































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