Donnerstag, 29. Oktober 2009

- Komische Fakten IV -

Vor einiger Zeit führte die University of Minnesota eine Umfrage durch. Ziel war, herauszufinden, welche sozialen Gruppen in den Vereinigten Staaten welchen Vorurteilen unterliegen. Da wurden dann zum Beispiel Mütter gefragt, um welche Sorte Ehemann ihre Töchter lieber einen Bogen machen sollten und Familienmitglieder wurden danach gefragt, wie sie denn reagieren würden, wenn ein Angehöriger plötzlich einen Juden, Muslimen, Südstaatler oder Schwarzen mit nach Hause brächte. Erstaunliches Ergebnis: die mit Abstand verpönteste Gruppe unter einem Großteil der Amerikanischen Bevölkerung sind nicht etwa kommunistische Cubaner oder Atomwaffenanschlagspläne schmiedende Araber... nein... es sind... ja genau: Atheisten.
Da stellt man sich die Tochter einer wohlhabenden amerikanischen Familie vor, die schüchtern nach Hause kommt und ihren neuen Freund dabei hat. "Hallo Mami, das hier ist John, ein Atheist." Und die Mutter meint: "Also das ist ja die Höhe! Wie wäre es denn stattdessen mit einem wohlhabenden Dschihadisten...?'


Verrückte Welt...

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Zombies, Elvis und das Leben

Jean-Jaques Rousseau schrieb vor über 200 Jahren dieses Abschlusswort in seiner Kritik des Online-Networking-Systems FACEBOOK:
"Niemand kümmert sich mehr um die Wirklichkeit; alle setzen ihr Wesen in den Schein. Als Sklaven und Narren ihrer Eigenliebe leben sie dahin, nicht um zu leben, sondern um andere glauben zu machen, sie hätten gelebt."




Es ist ein sonniger und beschaulicher Herbstmorgen in New England, als die Zombies an mir vorbeistürmen. Sie nehmen die Verfolgung auf. Fünfzig Meter die Straße entlang haben sie ein Opfer ausgemacht. Als sie ihm näher kommen, realisiert der zum Tode Verdammte, was gerade geschieht. Ein junger Mann, vielleicht 18 Jahre. Schlank, nichts ahnend, braune Haare, auf dem Weg zu einer Vorlesung. Im Bruchteil einer Sekunde schießt das Adrenalin durch seinen Körper. Er greift unter seinen Mantel und zieht seine Waffe. Eine Pistole mittleren Kalibers. Aber hat er genug Munition, um die Feinde zurück in die Finsternis zu schicken, aus der sie kamen? Er bezieht Deckung in einem Hauseingang. Wenige Sekunde später haben die Zombies den Hauseingang umstellt. Ihr Opfer sitzt in der Falle. 
"Der weißeste Krieger ist der, der nicht kämpft", besagt ein altes chinesisches Sprichwort, das über 2000 Jahre alt ist. Doch für derlei Weisheiten sitzt hier jemand zu gewaltig in der Scheiße. 
Der Kampf beginnt. Der erste Schuss lässt den ersten Zombie zu Boden gehen. Die Untoten werden vorsichtiger, aber es ist absehbar, dass sie einfach zu viele sind. Der zweite und dritte Schuss verfehlen ihre Ziele knapp. Sie bewegen sich schneller, als ich es aus den Filmen kenne. Der Mensch kämpft tapfer, doch er ist ein kleines, in die Enge getriebenes Kätzchen, das von einem Wolfsrudel gejagt wird. Als seine Munition aufgebraucht ist, sieht er sich einem Zombie gegenüber, der langsam auf ihn zuschlürft. Das Ende ist nahe. Er scheint sich damit abgefunden zu haben, denn er geht in die Knie, verschränkt die Arme hinter dem Rücken, blickt traurig zu Boden, dem Tode harrend. Dann geht alles Blitzschnell. Mit einer einzigen Armbewegung zieht der schon Totgeglaubte eine Hand voll Marshmallows hervor und schleudert sie dem nahenden Zombie ins Gesicht. Dieser kreischt auf, ein Ton, welcher der Schönheit unserer Natur spottet, und geht zu Boden. Der Mensch atmet schwer. Dann erhebt er sich und geht seiner Wege. Dies war ein Kampf. Die Schlacht dauert an. 


Zumindest noch bis Sonntag. Das Spiel heißt Zombies gegen Menschen und wird auf dem kompletten Campus gespielt, eine Woche lang, Tag und Nacht. Die Zombies tragen rote Kopfbänder, die Menschen gelbe. Die Yombies haben keine Waffen, außer den Körperkontakt. Wenn sie einen Menschen berühren, wird dieser selbst zum Zombie. Die Menschen haben dreierlei Waffen. NervGuns, das sind Luftdruckpistolen, die Schaumstoffzylinder als Munition haben, Marshmallows und Socken. Wenn die Zombies getroffen werden, sind sie für einige Zeit paralysiert. Es ist ziemlich witzig, in dieser Woche über den Campus zu laufen. So trifft man zum Beispiel auf seinem Weg zur Bibliothek am Dienstag morgen eine Gruppe Zombies, die lauernd im Gebüsch sitzen und auf ahnungsloses Menschenfleisch warten. Die Menschen sind meist in Gruppen unterwegs (Tipp der Veranstalter: "Als Mensch sollten Sie am Besten in einer Gruppe von Freunden reisen, denen sie vertrauen. Oder noch besser: Einer Gruppe von langsameren Feinden, die sich für Ihre Freunde halten".), bewaffnet mit Pistolen und größeren Kalibern. Ständig schauen sie sich um, ob nicht ein Zombie hinter der nächsten Ecke oder gar dem nächsten Bücherregal lauert. Und überall auf dem Campus hört man Dialoge wie:
A: "Die haben heute morgen direkt vor meinem Wohnheim gewartet, Mann! Aber ich hab sie alle umgenietet..."
B: "Das Schlimmste ist, wenn die dir im Bus begegnen! Da kannste nicht abhauen!"
Es gab sogar einen Fall, indem die Menschen den Spieß einmal umdrehten, indem sie einen Zombie gnadenlos gejagt und niedergestreckt haben... sie stürmten zu dritt ein Klassenzimmer, in dem gerade ein Seminar abgehalten wurde, und schickten den in der zweiten Reihe sitzenden Zombie mit mehreren gezielten Kopfschüssen zu Boden. Der Dozent war, nunja, verdutzt.
Es gibt viele Meinungen über dieses Spiel. Die einen finden es kindisch, die anderen dämlich, ich finde es kindisch, und deshalb großartig! Einfach mal wieder dem Kind im 'Erwachsenen' etwas mehr Raum geben. Macht das Leben bunter. Aber wem das zuviel ist, der kann auch dem Quidditch-Club beitreten. Da klemmen sich alle selbst-hergestellte Besen (zumeist ein Fabrikat der Serie Nimbus 2000) unter den Hintern und rennen über eine Wiese. Der goldene Schnatz wird von einem großen und korpulenten Studenten höheren Semesters gespielt, der, gänzlich in goldene Kleidung gehüllt, kreuz und quer wie blöd über das Spielfeld rennt. Auch großartig.


Das Jay Z Konzert war ziemlich geil! Ich habe mir drei Tage vorher das Album besorgt, um die neuen Songs zu kennen, was man meiner Erfahrung nach immer vor einem Konzert tun sollte. Konzerte sind mindestens dreimal so gut, wenn man die Songs kennt. Naja, 14.000 Menschen im Mullins Center, der Campus-eigenen Sporthalle. Ausverkauft, proppevoll, geile Stimmung (auf facebook gibt es zwei Videos davon). Vorgruppe war N.E.R.D. inklusive, natürlich, Pharell Williams. Haben die Bude richtig ordentlich heiß gemacht, mit neuen Sachen und natürlich auch den Klassikern (Lapdance (wer kennts noch?) oder She wants to move). Besonders beeindruckend war auch die Band, die mit zwei perfekt aufeinander abgestimmten Schlagzeugern am Start war.
Für alle, die den Namen noch nie gehört haben: Nun, lasst es mich so sagen: Jay Z selbst sagte an einer Stelle während des Abends: "Thanks to you, this is my 11th #1 album. Nothing against the man, but Elvis Presley has officially left the building." (Etwa: "Dank euch ist das mein 11tes Nummer eins Album. Nichts gegen den Typen, aber Elvis Presley hat sich gerade offiziell verabschiedet") Ja, Jay Z ist ein ganz großer Fisch. Nicht nur im HipHop. Er hat mehr Platten verkauft als Elvis Presley, mehr als die Stones und mehr als Michael Jackson. Die einzigen, die noch mehr verkauft haben, sind... na?... genau: die Beetles. 
Man kommt um den Mann also nicht rum, in der aktuellen Musikwelt. Auch wenn ich kein riesen Fan bin. Das Konzert war ziemlich geil und es war die 50$ in jedem Fall wert!


So, bevor ich jetzt aber zu viel Zeit damit verbringe, anderen glaubhaft zu machen, dass ich lebe, werde ich mich wieder mit Leben selbst beschäftigen. Genug für heute. Zum Schluss gibts was schönes von Hesse.




Stufen 


Wie jede Blüte welkt und jede Jugend 
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, 
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend 
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. 
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe 
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, 
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern 
In andre, neue Bindungen zu geben. 
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, 
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. (...)
                                                                                 - Hesse

Samstag, 24. Oktober 2009

Tanz mit einem Arsch.

Tempus fugit.

Die Hälfte meines Semesters habe ich hinter mir. Meine ersten drei Essays habe ich geschrieben, meine erste große Arbeit wird in der kommenden Woche angegangen. Mit unserer Fußballmannschaft sind wir letzte Woche in die Playoffs eingezogen, mal schauen, wie wir abschneiden im weiteren Verlauf des Turniers!
Gestern war ich bei meinem ersten Ice-Hockey Match. Beeindruckend, was die da für eine Show abziehen, wenn sie vielleicht auch nicht ganz so groß ist, wie die Football-Show. Es gibt einfach immer noch megaviel Neues zu sehen und zu tun! Habe mir ein Halloween-Kostüm angeschafft, den neuen MichaelMooreFilm gesehen (sehenswert), sehr viel gelesen (vor allem Marx, Locke und Ayer), eine erste Klausur geschrieben, die ganz gut gelaufen ist und morgen ist Jay Z Konzert hier auf dem Campus. Ja, das ist eine dieser Geschichten, bei denen man merkt, dass hier alles viel viel größer ist als in Deutschland...

Vor zwei Tagen war ich auf einer Party in Downtown, mit einer ganzen Gruppe internationaler. Die Mädels hier in den Diskotheken übertreiben es. Kaum bist du auf der Tanzfläche, pressen die Dir ihren Hintern gegen das Geschlechtsorgan und los gehts! Was sich im ersten Moment anhört wie das Paradies auf Erden, entpuppt sich aber mittel- bis langristig als nervtötend. Es ist nämlich beinahe unmöglich, eine irgendwie geartete Spannung aufzubauen. Es wird keine einzige Sekunde lang körperlos getanzt. Und so wird jeglicher Jagdinstinkt einfach geflissentlich ignoriert. Vorbei ist die Zeit, in der man sich aus der Ferne anlächelt, sich langsam mit einigen mehr oder weniger gelungenen Bewegungen tanzend näherkommt um sich dann nach einem furiosen Finale inklusive Aufbau von Körperkontakt mental auf die Schulter zu klopfen - nein, so läuft das hier nicht. Alle Männer laufen zielsuchend über die Tanzfläche (noch auffälliger als ohnehin immer schon) und dann wird einfach die nächstbeste weibliche Mitbürgerin kurzentschlossen an der Hüfte gepackt und sich vor den Bauch geklemmt. In den meisten Fällen schaut das Gesicht der Tanzenden nicht nach Freude aus, sondern nach verbissenem Lässig-Sein. Kaum ein Lächeln auf der Tanzfläche. Alle versuchen angestrengt, sexy und cool zu sein. Auch interessant ist, dass die Mädels ganz erschrocken reagieren, wenn man sie anspricht. Die sind das nicht gewohnt! Das schreckt die ab, wenn du als Typ anfängst, mit denen zu sprechen. So kann es passieren, dass du 10 Minuten und ohne jegliches Vorgeplänkel (wie zum Beispiel Augenkontakt) mit Hinterteil und Rücken einer Frau tanzt und dich dann - plötzlich neugierig geworden, wie die gute Dame eigentlich auf der anderen Seite aussieht - gekonnt um sie herum schwingst, sie anlächelst und nach ihrem Namen fragst... und sie einfach weggeht. Ja, bei aller körperlicher Nähe könnte die gefühlte Distanz nicht größer sein. Und so tanzt du dann nicht mit Personen, sondern mit Ärschen. Scheiße.

So, jetzt mach ich mich daran, zu verstehen, was für ein Problem der gute Ayer mit der Moralphilosophie hat. Oh, da fällt mir eine Anekdote ein. Die gibt es leider nur auf Englisch im Internet zu finden. Aber sie ist lustig, deshalb schreibe ich sie trotzdem hier rein!


One of the last of the many legendary contests won by the British philosopher A. J. Ayer was his encounter with Mike Tyson in 1987. As related by Ben Rogers in ''A. J. Ayer: A Life,'' Ayer -- small, frail, slight as a sparrow and then 77 years old -- was entertaining a group of models at a New York party when a girl ran in screaming that her friend was being assaulted in a bedroom. The parties involved turned out to be Tyson and Naomi Campbell. ''Do you know who the fuck  I am?'' Tyson asked in disbelief when Ayer urged him to desist: ''I'm the heavyweight champion of the world.'' ''And I am the former Wykeham professor of logic,'' Ayer answered politely. ''We are both pre-eminent in our field. I suggest that we talk about this like rational men.''


Ciao.

Die Zeit flieht.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Mehr Basisdemokratie!

Ich verfolge gerade die Koalitionsverhandlungen Schwarz-Gelb einigermaßen regelmäßig über diverse Online-Medien und muss mich jedesmal aufregen. Versprochene Haushaltskonsilidierung? Huch, vielleicht reicht das Geld ja doch nicht... Steuersenkungen (ob sie gut sind oder nicht, sei einmal dahingestellt)? Ja, wahrscheinlich nicht im versprochenen Umfang, aber halt durch ein Schattenkabinett finanziert, dessen Belastung nicht im offiziellen Bundeshaushalt auftaucht...
Ich bin wahrlich kein Politikexperte, aber als Student mit begrenztem politischen Verständnisvermögen, fehlt mir dafür, nun ja, das Verständnis.

In britischen Zeitungen ist während der Wahl zu lesen gewesen, dass es sich bei Deutschland um eine Scheindemokratie handelt. Warum? Weil 1) wir die politische Macht komplett an die Politiker abgeben und im Prinzip gar keine Entscheidungsmacht mehr haben und 2) weil in keinem Land mit vergleichbarem Entwicklungsstand vor der Wahl so wenig über Parteiprogramme diskutiert und gewusst wird, wie in Deutschland. In den USA, allen Vorwürfen bezüglich eines übermäßig populistischen Wahlkampfes zum Trotz, ist das anders. Hier war vor der Wahl glasklar gesagt worden, was gemacht werden sollte. Bei der Gesundheitsreform wurden vor der Wahl von den Bürgern die genauen Prozentzahlen diskutiert, während wir uns in Deutschland nicht einmal darauf verlassen zu können scheinen, dass (Zitat Westerwelle: "Einen Koalitionsvertrag ohne Steuersenkungen werde ich nicht unterschreiben.") die ohnehin spärlich angesprochenen Themen auch tatsächlich angegangen werden. Und als Obama Guantanamo nicht auf genau jene Art und Weise schloss, in der er es angekündigt hatte, gab es einen mittelgroßen Aufstand und es wurde im ganzen Land diskutiert.
Jede neue Regierung in Deutschland stößt offenbar überraschenderweise während der Koalitionsverhandlungen darauf, dass Haushaltskonsolidierung nicht besonders viel Kredit beim Volke einbringt. Wow. Echt? Das war ja vorher nun wirklich nicht abzusehen.
Der Bürger hat keinen Einfluss auf die Koalitionsverhandlungen. Und es scheint ihn auch irgendwie nicht so sehr zu interessieren, dass Wahlversprechen nicht eingehalten werden. Er kann nicht beeinflussen, ob das magere Parteiprogramm, von dem er wusste, überhaupt angegangen wird. Mir fällt keine Antwort darauf ein, wie sich die Menschen so etwas gefallen lassen können, außer mangelndes Interesse an der Politik oder schlicht und einfach, dass man sich in Deutschland inzwischen daran gewöhnt hat. Beides ist traurig.

Dienstag, 13. Oktober 2009

NYC

Samstag morgen, 4 Uhr, leise klopft die Musik an mein Ohr. Kettcar, Graceland, ein Lied darüber, dass alle immer wieder jung sein und von neuem beginnen wollen. Bei mir ist das glücklicherweise nicht der Fall. Zumindest noch nicht. Ich springe aus dem Hochbett. Meine Gelenke knacken nicht, als ich lande. Geschwind gehts in die Dusche, die Sachen sind schon gepackt, der Autoschlüssel liegt bereit. Pass? Ja. Führerschein? Ja. Ein bisschen aufgeregt bin ich. Aber gut, sag ich mir, ich habe auch links fahren in Afrika überlebt.


Das Auto steht auf dem nahen Parkplatz. Ich installiere alle technischen Geräte, bevor ich die anderen vor ihrem Wohnheim einsacke. I-Pod wird angestöpselt, Wills Navigationssystem angeschlossen. 
Als das Gepäck verstaut ist, sitzen wir im Auto und diskutieren über die Musik. Wir entscheiden uns für keine Musik, weil einige noch schlafen wollen (haben die Nacht durchgearbeitet, um einen Essay pünktlich abzugeben). Dann wird das Navi konfiguriert:



Broadway Hotel N Hostel  
230 West 101st Street  
New York NY 10025 


New york, City of Dreams...






Ankunft: Samstag morgen, irgendwann zwischen 9 und 10. Wir parken das Auto in der Upper-Westside in einem Parkhaus, nahe unserem Hotel. 36 Dollar für 24 Stunden. Bei zwei Autos und 2 vollen Tagen macht das 8 Dollar pro Kopf - das geht klar. Das Gepäck stellen wir im Hotel unter, dann gehts los. Central Park, wo all die kleinen Kinder Fußball und Baseball spielen, während ihre Eltern am Spielfeldrand stehen und sie anfeuern (einige im Anzug - wirklich wie im Film...) , Central Park South End, Mittagessen in irgendeinem Burgerschuppen, ein bisschen durch die Straßen spazieren und die Atmosphäre erschnuppern, dann auf zum Metropolitan Museum of Arts. Das Wetter war schlecht, also auf ins Museum! 
Wenngleich ich immer noch nicht über den Punkt hinweggekommen bin, dass ich mich in einem Museum nach einer Stunde tödlich zu langweilen beginne, so ist es doch eine nette Angelegenheit, zweieinhalb Stunden hier zu verbringen. Extrem stilvoll und elegant eingerichtetes Gebäude, die unterschiedlichsten Dinge zu bestaunen (Fotografie, europäische Malerei, Japanische Gemälde, Moderne und zeitgenössische Kunst (das sind die, die so ganz komische Sachen machen und man sich nicht sicher ist, ob das 'Kunstwerk' ein Produkt tagelanger Arbeit ist oder ob es von einem betrunkenen 4 Jährigen in einer halben Stunde angefertigt wurde), ja, die haben sogar einen kompletten Ägyptischen Tempel hier drinnen!). Wie so oft im Leben merkt man in einem Museum, dass man keine Ahnung von Tuten und Blasen hat - zumindest was einige ziemlich umfassende Bereiche des menschlichen Lebens und der menschlichen Kultur angeht. Naja, vieles einfach nicht mein Ding. Umso schöner, dass wir Kunstgeschichtsstudenten dabei hatten, die mit Enthusiasmus in den Augen durch das Gebäude hetzen und nach zweieinhalb Stunden zum Treffpunkt kommen und verkünden, sie müssten hier auf jeden Fall wieder her. Menschen sind eben unterschiedlich. Wär ja auch doof sonst, irgendwie.
Zum Schluss gibts dann noch ein ganz besonderes Kunststück. Ein toter Hai. Geschätzte drei oder vier Meter lang, ausgestopft, in einem Glaskasten. Da hängt er und guckt irgendwie traurig. Amanda meint, dass sei gerade DER Renner in der Kunstwelt und es gibt Debatten darüber, ob das ethisch korrekt ist oder nicht und ob das Kunst ist oder nicht. Wie auch immer, ein echtes Hai-light (UAHAHAHAHAA!!!)...


Die Aussicht vom RockefellerCenter war atemberaubend. Mitten in Manhattan, südlich des Central Parks. Gute Sicht auf das EmpireStateBuilding, den Eastriver, den Hudsonriver, im Südosten die Brooklyn Bridge, im Süden Staten Island und die Freiheitsstatue (ganz ganz klein von da oben), im Norden der zweieinhalb Kilometer lange und ungefähr einen Kilometer breite Central Park mit seinen Seen und Wiesen und Ameisenjoggern. Wow. Da oben steht man dann und blickt gen Süden, dorthin, wo die Twin Towers standen und überlegt sich, dass hier oben vor genau 8 Jahren und einem Monat Menschen standen, als die Flugzeuge die beiden Zwillinge niedergerissen haben. Nicht einmal ansatzweise nachzuvollziehen ist die Panik, die hier oben ausbrach, 09/11/01 (die Amerikaner schreiben den Monat vor den Tag, weshalb das Datum der Anschläge vom 11. September 2001 an die Nummer der Polizei erinnert: 911).


Ground Zero. Eine Baustelle mit 8 Kränen. Nicht viel Interessantes. Interessanter ist es, einige Blocks entfernt vor der Trinity-Church zu stehen und sich vorzustellen, wie eine riesige Wolke aus Staub durch die Straßengräben Manhattans fegte, als die Türme zusammenbrachen. Diese Stadt wird für immer mit diesen Erinnerungen leben müssen.
Irgendwie beeindruckend.



Der Times Square blinkt. Bilder. Bildschirme. Poster. Licht. Überall Licht. Und Menschen. Der Times Square ist sehr beeindruckend. Samstag abend, wir wühlen uns durch die Meschenmassen. Ab und an bleiben wir stehen um Fotos zu schießen und ernten einige zornige Blicke. Man sollte in New York niemals einfach auf dem Gehweg stehen bleiben. Man sollte zur Seite gehen und dort stehen bleiben. Ansonsten hat man schnell eine Mitfünfzigerin in Designerklamotten im Rücken hängen, die einen böse anfunkelt und "fucking tourists" denkt. Alles ist in Bewegung, hier am Times Square noch viel mehr als anderswo, haben wir den Eindruck. Und diese Bildschirme überall. Alle Marken der Welt scheinen hier irgendwie vertreten zu sein. Auch McDonalds hat natürlich seine Filiale am Times Square. Alles in Bewegung. Und doch finden wir schließlich ein Plätzchen, wo einige Tische und Stühle aufgestellt sind sowie eine große Treppe aus Metall, die nirgendwo hinführt, auf der wir aber hervorragend sitzen können und den Menschen beim Wuseln zusehen. Ab und an fährt eine Stretch-Limousine vorbei, das Fenster fährt runter und irgendjemand lächelt heraus zu dem Pöbel, der es nötig hat, die eigenen Füße zu benutzen. Paradoxe Welt. Mitten auf dem Gehweg stehen  zwei schwarze Muskelmänner und trainieren. Ihr Training unterbrechen die beiden dafür, junge Touristinnen hochzuheben und deren Begleiter Bilder schießen zu lassen. Auf einen Platz im Restaurant muss man etwa 2 Stunden warten an diesem Samstag. Gehobene Preisklasse, aber nicht zu teuer. Wir schreiben uns auf eine Liste ein und bekommen einen Piepser in die Hände gedrückt. Wenn der piepst, dann sind wir dran. Solange können wir aber nochmal durch die Straßen laufen. Ein riesen M&M Store erhebt sich plötzlich rechts von mir. Ein ganzer, zweistöckiger Laden nur mit M&M-Artikeln. Tassen, T-Shirts, Tangas... alles mit den bunten runden Herren aus Schokolade drauf. Wer braucht sowas? Aber diese Frage ist hier fehl am Platz. Überall werden 'I (HERZ) New York' - Shirts verkauft (ich jedoch trage stolz mein 'I (HERZ) Tü'-Shirt und ernte einige verwirrte Blicke).
Eine Gruppe Mädchen, etwa 17 Jahre alt, trägt Schilder mit der Aufschrift 'Free Hugs'. Sie umarmen einfach jeden, der möchte.
Ein großartiges italienisches Dinner direkt am Times Square, im ersten Stock. Ich bezahle dreißig Dollar, das geht klar. Draußen vor dem Fenster blinkt das blaue M&M-Männchen herein, auf einem Bildschirm, der so groß scheint wie ein 25m-Schwimmbad. Man kann hier schneller leben, als man mitdenken kann. In Afrika verhungert gerade ein Kind.
Die eigenen Gedanken sind der einzige ruhige Ort in dieser aufregenden, absurden Welt.


Brooklyn Bridge. Sonnenuntergang. Wir gehen hinüber nach Manhattan, als das letzte Licht des Tages den Horizont zu einer rot-orangenen Glut entfacht. Dort hinten, im Norden, die Freiheitsstatue, die einsam und alleine aus dem dunklen Schwarz hervorragt und ihre erloschene Fackel dem Himmel entgegenstreckt, als wolle sie sie an dessen Glut entzünden. Irgendwann gelingt es und die Fackel leuchtet auf. Die Hochhäuser sehen beeindruckend aus. Wir machen Bilder und genießen den eiskalten Wind und die Atmosphäre über dem East-River.


Heute Mittag sitze ich in der DiningHall in Amherst und werde gefragt, was das Beste an New York gewesen ist. Schwer zu sagen. So viele unterschiedliche Dinge. Mein erster Gedanke war: einfach mit den Leuten durch die Straßen wandern, hinauf auf die Aussichtsplattformen und die Atmosphäre einatmen. Oder im Madison Square Park sitzen und einen Cappuccino trinken, während wir die Menschen beobachten. Oder das Lied aus dem Gladiator-Soundtrack auf der Heimfahrt. Die mexikanischen Gitarreros in der U-Bahn. Ich muss wiederkommen, irgendwann.
Ich würde hier gerne einmal ein Jahr meines Lebens verbringen. Mich an den Trubel gewöhnen. Mich der Geschwindigkeit anpassen, mit der das Leben hier an den Menschen vorbei fließt. Noch individualisierter leben als ich es ohnehin schon tue. Es ist faszinierend. Je mehr Menschen auf einem Fleck leben, desto anonymer und fremder werden sie sich. Keine Frage, New York ist geil. Ich weiß nur nicht, ob ich hier meine Kinder groß ziehen möchte.
Ich bin halt doch ein Kleinstadtkind.








Demnächst kommen ein paar Bilder!




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