Mittwoch, 30. September 2009

Mein erster Hitlerwitz in der Öffentlichkeit

Tatort Mensa.

Langer Tisch. Anwesende: Phoebe (Hong Kong), Yasmin, Omar, Alex, ich (alle Deutschland).

Phoebe: "Wow, ich bin von Deutschen umzingelt!"
Ich: "Haha, jetzt weißt du wie sich Frankreich gefühlt hat!"


Na? Okay, nicht besonders hart - aber ich taste mich da aus gutem Grunde langsam ran. Phoebe fands jedenfalls nicht schlimm...

Abschlusszeugnis September '09

Stefan hat sich, vielleicht noch etwas zu selten, in erfrischender Weise am Unterricht beteiligt. Es ist davon auszugehen, dass er hinsichtlich seiner Fähigkeiten der Landessprache noch zulegt, was seiner Beteiligung am Unterricht sicherlich förderlich sein wird. Sein Verständnis des Englischen ermöglicht es ihm jedoch ohne Probleme, dem Unterricht zu folgen. Aufgaben erledigt er fleißig und zuverlässig. Mit Freude nehmen wir zur Kenntnis, dass Stefan nicht davor zurückschreckt, einem Professor zu widersprechen. So kam es unter anderem zu einer kurzen Diskussion über Wahrheitswerte normativer Aussagen, in der Stefan klar zum Ausdruck brachte, dass er mit dem Vortrag nicht einverstanden sei und dass man diesen Sachverhalt bei ihm in Deutschland anders, nämlich plausibel, lehre. Dennoch muss Stefan in Zukunft daran arbeiten, sich noch etwas mehr auf den Stil der ortsansässigen Dozenten einzulassen. Er scheint gewillt, andere Perspektiven einzunehmen und es ist davon auszugehen, dass ihm dies in naher Zukunft auch gelingen wird. Stefan ist sehr bestrebt, neben dem Studium einen großen Teil seiner Zeit mit sozialen Inhalten zu füllen. Es besteht die Gefahr, dass das Studium ins Hintertreffen gerät. Dies ist momentan noch nicht der Fall. Dennoch sollte diese Gefahr im Hinterkopf behalten werden.


Mit Freude können wir feststellen, dass Stefan nach einem Monat bereits über ein, in Anbetracht der kurzen Zeit, verhältnismäßig gesichertes Sozialleben verfügt. Er interessiert sich sehr für die zahlreichen Angebote der Studentengruppen. Als neues Mitglied des Outing-Clubs wirkt er bestrebt und motiviert, an zahlreichen Unternehmungen aller Art teilzunehmen. Sei dies nun eine Klettertour, eine Wanderung oder ein Kajaktraining - deutlich erkennbar ist Stefans Ziel, seine Freizeit aktiv und in sozialem Umfeld zu verbringen. Im Rahmen einiger Ausflüge in das Nachtleben Downtowns hat er Kontakt zu örtlichen Brauereien und der örtlichen Damenwelt aufgenommen. Zweiteres gefiel ihm besser als ersteres, was Stefan zu einem Kandidaten dafür macht, Importbier aus seinem Heimatland in seinem Zimmer aufzubewahren. Sicherlich sollte dieser Spur nachgegangen werden, um zu vermeiden, dass Stefan mangels Respekts für die lokalen Gesetze mehr als die vorgegebenen zwölf Flaschen Alkohol in seinem Zimmer aufbewahrt. Dies könnte dazu führen, dass Stefan Minderjährige (welche teils zu seinem Freundeskreis gehören) dazu verführt, sich dem Alkohol hinzugeben. Stefan selbst ist in angetrunkenem Zustand nicht aggressiv. Er wies außerdem das Angebot zurück, eine Waffe in seinem Zimmer aufzubewahren, um sein Eigentum zu verteidigen.
Stefan hat erfolgreich als Teil einer kleinen Gruppe internationaler und amerikanischer Studenten eine Reise nach New York organisiert. Diese wird Mitte Oktober stattfinden.


Insgesamt ist Stefan ein erfolgreicher Start an der University of Massachusetts gelungen. Seine Motivation und sein Fleiß hinsichtlich des Studiums kann sicherlich noch etwas gesteigert werden. Es ist davon auszugehen, dass Stefan es sich nicht nehmen lässt, in Amherst eine gelungene und schöne Zeit zu verbringen.


Gezeichnet,

Katie MacJenniferson
Aufsicht für Verhalten, Erfolge und Skandale internationaler Studenten an der UMass Amhert












- Komische Fakten III -

Moralphilosophie am Mittwoch.

Feldman:
"Und da sagt der Utlitarismus, dass wir den Schmerz, den eine Handlung verursacht, von der Freude, den die Handlung verursacht, abziehen. Wenn das Ergebnis positiv ist und es keine Handlungsalternativen gibt, die einen größeren Gewinn erbringen würden, dann ist die Handlung moralisch richtig - und deshalb moralische Pflicht. Fragen?"
Student:
"Ich weiß nicht ganz... Es scheint mir doch, als könne man nicht zur gleichen Zeit Schmerz und Freude empfinden".
Feldman:
"Was? Jetzt pass mal auf, junger Mann. Du musst ja ein ziemlich seltsames Sexualleben haben, dass du mir das nicht abnimmst..."

Sonntag, 27. September 2009

Football ist Klettern ist Bierflaschenschieben ist Leben


Ever tried.
Ever failed.
Don't matter.
Try again.
Fail again.
Fail better.
-
Beckett


Mit aller Kraft kralle ich mich an den kalten Felsen. Die Last meines eigenen Körpers zieht mich hinunter in die Tiefe. Daumen, Zeige- und Mittelfinger meiner rechten Hand schmerzen. Doch sie krallen weiter. Unter mir die Tiefe. Noch ein paar Sekunden, und mein linker Fuß wird abrutschen. Ich spüre es. Mit der Linken greife ich nach oben über den Rand des Vorsprungs. Da! Ein Griff! Kein besonders sicherer zwar, aber... Meine Unterarme brennen, es muss jetzt schnell gehen! Vertikal drücke ich meinen rechten Fuß in einen schmalen Felsspalt hinein und bewege ihn dann in die Horizontale, um Halt zu finden. Ich kann über den Felsspalt nicht hinausblicken. Aber ich fühle den Griff. Das muss reichen. Adrenalin.
Ich treibe meine Finger in den Griff. Als meine Füße sich auf die Suche nach einer kleinen Einbuchtung im Felsen machen, hängt mein Gewicht für eine halbe Sekunde alleine an meinen Armen. Eine halbe Sekunde zu lange. Ich stürze.
Einen halben Meter tiefer spannt sich das Seil. Schützend drücke ich meine Beine gegen den Fels, um nicht mit dem Körper gegen die Wand geschleudert zu werden.
"Du hattest es fast!", dröhnt eine Stimme zu mir hinauf. Ich blicke hinab. Zehn Meter unter mir steht Mike und hält das Seil und mein Leben in den Händen.
Scheiße!", fluche ich. "Ich probiers nochmal! Diesmal klappts!"
Für etwa eine halbe Minute baumele ich am Seil und genieße die Aussicht. Das Grün New Hampshires im späten September. Einige rote, orangene und gelbe Fäden durchziehen die Landschaft. In einigen Meilen Entfernung sehe ich einen See silbern in der Abendsonne giltzern. Der Wind pfeift leise.
Meine Füße finden Halt. Meine Finger klammern sich wieder in den Felsen. Diesmal wird es klappen. Ich weiß es. "Stück für Stück!", sage ich mir. Und beginne von Neuem.

Die Universität von Massachusetts in Amherst hat einen Outing-Club. Das ist ein Studentenclub, der sich zum Ziel gesetzt hat, allerlei Aktivitäten an der frischen Luft zu organisieren. Floß fahren, Kajak fahren, Klettern, Wandern, Schi (so nebenbei: das ist das hässlichste Wort der deutschen Sprache), Eisklettern und so weiter. Im Frühling wird eine dreitägige Floßtour den Connecticut-River hinab angeboten, inklusive Camping in der Nacht, irgendwo an den Ufern des Flusses. Dieses Wochenende gab es die Neueinsteigerhütte. Circa dreißig unternehmungslustige junge und attraktive Menschen machten sich am Freitag auf den Weg nach New Hampshire, den Standort der Waldhütte des Outing-Clubs.
Das Motto des Outing Clubs lautet: "We take people into the woods and do things with them" (Wir bringen Leute in die Wälder und machen Sachen mit ihnen). Und das Motto war dann auch Programm. Am Freitag Abend gabs Geschicklichkeitsspielchen. Bei einem gelang es mir sogar, zusammen mit Teuta einen Rekord aufzustellen. Das Spiel bestand darin, gemeinsam eine Bierflasche so weit wie möglich von einer Linie entfernt abzustellen. Einschränkungen: Einer der beiden muss diese Linie berühren, der andere darf nicht den Boden berühren. Das führt dann dazu, dass einer der beiden in Liegstützposition geht, der andereauf dem Rücken des ersteren nach vorne klettert, die Flasche soweit als möglich nach vorne stellt und wieder zurückklettert. Nach einigen unterschiedlichen Techniken stellte sich folgende als die Beste heraus: A geht in Liegestütze-Position, B klettert mit der Flasche im Mund auf As Rücken nach vorne und stellt sich mit beiden Beinen auf eine Hand von A. A schiebt die andere Hand so weit wie möglich nach vorne. B, die Bierflasche inzwischen in der Hand, macht einen großen Schritt auf die andere Hand von A und hält sich dabei an Hals/Haaren/T-Shirt von A fest, um die Balance zu halten. B stellt die Flasche ab, stellt sich wieder auf die andere Hand, A zieht die vordere Hand wieder zurück in Liegestützeposition und B klettert wieder über den Rücken zurück. Juhu. Hüttenrekord. Aber ob das lange hält?

Das Schöne am Klettern sind diese Momente, wenn man hoch oben in der Wand hängt und überhaupt keine Ahnung hat, wie man diesen verrückten Überhang bezwingen soll. Man sieht keine Griffe, die Kraft geht zur Neige - es scheint keinen Ausweg zu geben. Und doch... Wenn man die Sache langsam angeht, Stück für Stück, immer wachsam und konzentriert, dann kann man es schaffen. Es ist erstaunlich und oft sogar rührend, wenn man sieht, wie Leute sich beim Klettern selbst überwinden.
"In tausend Jahren hätte ich mir das nie zugetraut!". Oder: "Ich hatte da oben schon aufgegeben, bis dann...". Sätze, die man oft zu hören bekommt, unten an der Felswand, erzählt von euphorischen Gesichtern. Man fühlt irgendwie, sich mit seinen Ängsten auseinandergesetzt zu haben. Sich ein kleines Stückchen weiterentwickelt zu haben. Als am Abend die Seile eingerollt-, die Karabiner in den Taschen verstaut- und die Kletterschuhe ausgezogen werden, sind alle ganz ruhig und wirken zufrieden.
Bei Abenddämmerung treten wir aus dem Wald heraus auf die Straße. Eine halbe Stunde Fahrt bis zu unserer Hütte, ohne fließend Wasser und Elektrizität. Die Dusche muss bis morgen warten. Der Magen nicht. Spaghetti. Ich habe einen Bärenhunger. Erschöpft und lebendig setze ich mich ins Auto. Stück für Stück nähern wir uns dem Abendessen.

Eine schöne Rede auf Englisch:
http://www.youtube.com/watch?v=WO4tIrjBDkk

Wer möchte, kann sichs auch auf Deutsch anschauen:
http://www.youtube.com/watch?v=LQL1q8rlrjE

Nach dem Essen sitzen wir unter den Sternen und lauschen dem Soundtrack zu König der Löwen. Das Bier fließt, die Stimmbänder beben. Jeder kennt den Text. Die Wärme des prasselnden Feuers wärmt mein Gesicht. Es sind die kleinen Schritte. Es sind die kleinen Momente.






Unsere Mannschaft



"We take people into the woods
and do things with them".



Doppelt so viele Leute wie Matrazen, ein Tag
Sport, keine Duschen. Am Morgen öffneten wir
die Fenster...



Der Fels und ich










Ich habe einen Berg voll Arbeit vor mir, als wir zurück nach Amherst kommen. Eine Hausaufgabe bis Montag, 70 Seiten lesen bis Dienstag, einen Aufsatz bis in einer Woche. Wieder muss ich klettern. Wieder beginnt ein beschwerlicher Aufstieg. Doch ich bin zuversichtlich.


Stück für Stück...

Inch by inch...






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Mittwoch, 23. September 2009

- Komische Fakten II -

Die Gegner von Barack Obamas Gesundheitsreform führen das Argument an, ein gesetzliche Krankenversicherung sei sozialistisch. Hoppla, denke ich mir da, bin ich denn nun ein Sozialist, nur weil für die gesetzliche Krankenversicherung Stellung beziehe? Oder noch wichtiger: herrscht in Deutschland ein unsichtbarer Sozialismus?
'Naja', mein meint Ethikprofessor, 'die Amerikaner mögen eben den Gedanken nicht, dass sie vom Staat gezwungen werden, Geld für etwas zu bezahlen. Das widerspricht dem Freiheitsgedanken vieler Amerikaner'. Trocken schiebt er hinterher: 'Die Regierung zwingt jeden amerikanischen Bürger über Steuern dazu, über die Welt verteilte Geheimgefängnisse mitsamt diverser zweifelhafter Praktiken zu finanzieren. Ich würde es lieber haben, wenn mein Geld dafür ausgegeben wird, dass amerikanische Unfallopfer ordentlich versorgt werden'.

Adolf und ich

Würde man eine Theorie über die menschliche Verantwortung schreiben, so wäre dies wohl eines ihrer fundamentalsten Prinzipien:
'Verantwortlich kann ich überhaupt nur für jene Geschehnisse sein, die ich unter Aufbietung
aller mir zur Verfügung stehenden Mittel beeinflussen kann'.

Dass dieses zunächst einmal sehr einleuchtend wirkende Prinzip nicht überall auf der Welt ohne Einschränkung anerkannt wird, ist eine Erfahrung, die man beinahe in jedem Land machen kann.
Der böse Mann mit dem kleinen Bart ist noch gar nicht tot. Zumindest kommt es einem als Deutschem manchmal so vor. Es gibt die unterschiedlichsten Reaktion. Die einen versuchen das Thema ganz zu vermeiden, die anderen halten sich in Anwesenheit von deutschen Staatsbürgern deutlich spürbar zurück und die dritten (meistens Studenten aus Pakistan oder Lateinamerika - also etwas weiter weg) fragen interessiert.
Auffällig ist, dass es immer noch für den ein oder anderen überraschend ist, wenn ein Deutscher Hitler doof findet. Interessant ist die Frage, wer denn nun eigentlich Witze über die Sache machen darf. Der Brasilianer darf Witze darüber machen, keine Frage. Des Brasilianers Vorteil ist, dass in Hitlers Adern kein brasilianisches Blut floss. Interessanter Weise ist das Kriterium dafür, wer Witze über den Holocaust reißen darf und wer nicht, ein sehr simples: die deutsche Staatsangehörigkeit. Es ist ratsam, dass man sich als Deutscher nicht zu früh zu weit aus dem Fenster lehnt. So ist etwa ein pointiert vorgetragener Judenwitz in der Küche des Wohnheims in der Küche zu Beginn eines Auslandssemester als eher negativ bezüglich der eigenen Reputation einzuschätzen. Hitlers Greueltaten haben offenbar zur Folge, dass im Hinterkopf eines jeden nicht-deutschen Menschen ein kleines Alarmglöckchen leutet, wenn dieser Mensch einen Deutschen trifft. Achtung, sagt das Glöckchen, irgendwo hinter der Fassade dieses zunächst einmal sympathisch und aufgeschlossen wirkenden deutschen Studenten könnte ein kleiner Nazi schlummern. Das Judenvernichter-Gen. Uuuuaaaaaah! Lieber vorsichtig sein!

Selbstverständlich bin ich für den Holocaust in genau demselben Maße verantwortlich, wie
Daniel aus Brasilien, Nejat aus Äthiopien oder Shota aus Japan. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass ich damals noch nicht geboren war. Ich will nicht sagen, dass ich Hitler gehörig in den Hintern getreten hätte damals - aber ich denke doch, dass es, vorsichtig ausgedrückt, irrational ist, mich dafür verantwortlich zu machen.
Aber gut, sobald man darüber nachdenkt, wird einem schnell klar, dass das mit der Verantwortung nicht ernst zu nehmen ist. Aber was folgt denn nun für mich aus dem Holocaust? Sicherlich ist es ein Teil unserer Geschichte, den wir nicht vergessen dürfen - alleine schon aus dem Grund, dass so etwas nicht noch einmal geschehen darf. Und es schadet sicherlich auch nicht, wenn wir Deutschen uns mit dem Wissen um die Schrecken jener Zeit wappnen, um international klar zu stellen, was der Stand der Dinge in Deutschland ist. Was diese Idee um so wichtiger macht, ist die Tatsache, dass es in Deutschland immer noch einige - gar politisch aktive - Idioten gibt, die es noch nicht verstanden haben.
Wenn man in andere Länder reist, dann merkt man recht schnell, dass es überall auf der Welt Menschen gibt, die einem ähnlich sind. Weltanschauungen, Religionen - sie alle können so unterschiedlich sein. Dennoch: man kann Deutsche treffen, mit denen man weniger gemeinsam (- und in etwa soviel zu besprechen hat, wie) als mit einer alten und durchnässten Dackeldame. Und man kann Japaner, Afrikaner, Lateinamerikaner oder wasweißichauchimmer treffen, mit denen man, trotz aller kultureller Unterschiede, viel an Weltanschauung, Ansichten über das Leben oder die Frauen oder Fußball gemeinsam hat (habe neulich mit einer Pakistanerin über Karl Marx und den Sozialismus diskutiert. Das war krass.).Schöne Momente. Vielleicht ist das eine der wichtigen Lektionen, die man durch einen Aufenthalt in fremden Ländern lernen kann. Grenzen sind von Menschenhand gezogen. Man sollte sie nicht zu wichtig nehmen.

Trotz der Irrationalität des Verantwortungsvorwurfes für den Holocaust, sollte man sich als Deutscher aber dennoch eines bewusst machen: die Menschen sind eben so. Zu Beginn, gerade wenn man sich noch nicht kennt, ist man auf internationaler Ebene vorsichtig mit den Deutschen, da man eben nie so recht weiß, wie dieser eventuell-Nazi auf das Thema zu sprechen ist. Und da muss man dann eben manchmal auch etwas Sensibilität an den Tag legen.
Ein Konstanzer Studentenkollege, der auch für 9 Monate hier in Amherst ist, kam neulich mit einem wohl geordneten Stapel Unterrichtsmaterialien in die Küche unseres Wohnheims. Dort saß ein halbes Dutzend internationaler Studenten.

Einer der spanischen Studenten ironisch: "Wow, du bist ja echt typisch deutsch organisiert!"

(Hierauf könnte man nun vieles Antworten. "Ja", könnte man sagen. Oder: "Na und?! Ihr fresst die ganze Zeit Tortillas und kommt immer zu spät!" oder was auch immer. Mein Konstanzer Kollege entschied sich jedoch für folgende Variante:)
Konstanzer Kollege: "Ja, wir hatten damals mit den Konzentrationslagern ja auch genug Übung im Organisieren."
Dass ein Mädchen jüdischer Abstammung in der Küche saß, war in dieser Situation nicht gerade hilfreich... Wie gesagt: Vorsicht ist geboten.

Passend zu diesem Eintrag werde ich mit einer schönen Anekdote schließen. Als ich Zivildienst in Tübingen machte, wurde einer meiner Zivi-Kollegen Zeuge folgender Szene in einem Bus.

Tübinger Stadtbus. Hinten auf dem Vierer sitzen zwei junge Männer türkischer Abstammung. Direkt vor dem Vierer sitzt eine ältere Dame deutscher Abstammung. Die beiden jungen Herren, nennen wir sie A und B, beginnen folgende Unterhaltung:

A: "Voll krass Alta, wir Türken sind krass viele schon in Deutschland Alter!"
B: "Ja mann, des geht voll ab mann! Wir machen jetzt hier schon mit bei Politik uns so, Alta! Isch sag dir, wir übrschwemmen das Land hier!"
A: "Haha, auf jeden Fall Alta! Wir übernehmen das Land hier!"
Ältere Frau erhebt sich langsam, als der Bus an der Haltestelle anhält. Kurz vor dem Aussteigen ruft sie nach hinten zu den beiden jungen Männern:
Ältere Dame: "Das haben die Juden damals auch gesagt!"




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Sonntag, 20. September 2009

Dem Sterben so nah.


Dort sitzen wir und warten. Mulmiges Gefühl im Bauch. Die Sicherheitsausrüstung fährt herab und presst uns gegen die Sitzlehne. Unsere Fäuste klammern sich etwas verzweifelt um die untere Kante unserer Sitze. Dann kommt der Countdown... 3...2...1...GO! Es dauert etwa 1 Sekunde, dann sind wir oben. Ca. 40 Meter über dem Boden. In alle vier Himmelsrichtungen grün bis zum Horizont. Unter uns der Connecticut-River. Einige kleine Segelboote bewegen sich langsam über das Blau. Purpurne, rote, gelbe und orangene Schienen sprießen in den Himmel. Ein Wägelchen schießt gerade die purpurne Schiene entlang. Als es den Looping erreicht, kann ich für den Buchteil einer Sekunde das entfernte Kreischen von etwa zwei dutzend Stimmen hören. Sie klingen, als würden sie gleich sterben.
Ich habe nicht besonders viel Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Nach nicht einmal zwei Sekunden, zieht der Turm an mir und ich schieße wieder hinab in Richtung Erde.

Glücklicherweise sind wir in einem Vergnügungspark namens Six Flags, ungefähr eine dreiviertel Stunde von Amherst entfernt. Teuta, Will, Daniel und ich sind mit Wills Auto heute morgen hierher gefahren.


Will


Teuta und Daniel


SixFlags ist bekannt für seine wilden Achterbahnen. Und für den Turm. Der Turm katapultiert zwölf Menschen in etwas mehr als einer Sekunde 40 Meter in die Höhe. Dann gehts direkt wieder hinunter, in derselben Zeit. Es ist einen Moment lang, als würde man schweben. Ich reagiere im ersten Moment so panisch, dass ich mich nur noch an das Gefühl erinnern kann, gleich zu sterben. Ab dem dritten Mal dann, konnte ich es genießen.

Während Teuta, Daniel und ich euphorisch kreischend und schreiend durch die zahlreichen Loopings sausten, bemühte Will sich darum, eher cool und ruhig zu wirken. Wir drei benutzten für die Fahrten Beschreibungen wie "der krasseste Scheiß", "genial", "hammergeil" oder ähnliches. Für Will waren die Fahrten "ganz okay". Er war schon in größeren Achterbahnen an der Westküste. Er kommt ja aus San Francisci. Und überhaupt.
Umso lustiger war es dann, als wir nach unserem Besuch der Batman-Achterbahn folgendes Foto auf dem Bildschirm sahen:



Ist Will etwa doch nicht so abgeklärt, wie er nach außen hin wirkt? Jedenfalls kaufen wir das Foto. Gutes Foto.

Überhaupt ist dieser Samstag ein guter Tag. So ziemlich das erste Mal in meinem Leben mach ich in Sachen Achterbahn alles mit. Loopings, Schleifen, wahnsinnige Geschwindigkeiten... richtig viel Spaß ist da drin. Immer wieder dieses Prickeln, während man langsam hinaufgezogen wird und dann dieser Moment des Schreckens, wenn man realisiert, dass da irgendwie gar kein Boden mehr unter einem ist... bevor man dann hinabgerissen wird, begleitet vom Kreischen derjenigen, die noch genug Luft dafür haben.




Verrückt, diese Achterbahnen

Der Turm. 'Scream' ist sein Name.


Einmal Eintritt zahlen, dann soviel fahren, wie man will. Das ist das Prinzip. Und so lassen wir es uns nicht nehmen, nach etwa zehn Stunden in diesem Park am Ende noch einmal die beiden Hauptattraktionen zu beehren. Noch einmal den Turm, den wir nach einem Tag voller wahnwitziger Geschwindigkeiten tatsächlich genießen können (die Sonne geht gerade unter, als wir oben sind). Und noch einmal 'Bizarro', die neueste Achterbahn des Parks. Irrsinnig, wahnwitzig schnell das Ding.
Der eigentlich Höhepunkt des Tages ist aber etwas anderes. Etwas, für das wir bezahlen müssen. Was wir dann nach einigen Minuten der Diskussion auch tun. Kurz, bevor es losgeht, ziehen wir den Anzug an und ermuntern uns gegenseitig damit, dass das alles gar nicht so schlimm sei. Außerdem versuchen wir, kämpferisch zu klingen.


Gemeinsam sind wir stark.

Und dann gings los.


Nächstes Jahr wollen wir wiederkommen. Da macht dann der Wasserpark auf dem Gelände auch noch auf.
Wieder daheim in Amherst gehen wir in ein Sushi-Restaurant. Hätte nicht gedacht, dass ich das mögen könnte. Insgesamt ein sehr schöner Tag. Erkenntnis: das Neue schmeckt gut!


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Freitag, 18. September 2009

Wir haben Eier! ... oder doch nicht...?

Für knappe 50 Dollar (33,981€) habe ich mir heute Mittag Fußballausrüstung gekauft. Wir haben nämlich soeben eine Fußballmannschaft gegründet und sind in die Uni-interne Liga eingetreten. Unsere Spiele sind jeweils Dienstags, 17.30 Uhr. Das ist kurz vor Mitternacht MEZ - wer also nach dem Dienstags-ChampionsLeagueMatch noch Bock auf Fußball hat, kann mal reinschauen...
Unsere Mannschaft besteht aus dem besten Material, das dieser Globus in Sachen Fußball zu bieten hat! Brasilianische Feintechnik, guatemaltekische Kreativität, deutsche Disziplin und mexikanische... joa (weiß einer von euch, was die können?!). Naja, jedenfalls sind wir guter Dinge, das Ding irgendwie zu schaukeln! Bis Mitte November spielen wir Vorrunde. Danach gehts in die Playoffs. Das Problem: die Regeln. Es gibt eine Fairplay-Wertung (glücklicherweise haben wir keine Iren im Team - die spielen alle Rugby...). Jedes Team bekommt für jedes Spiel zwischen 0 und 4 Fairplay-Punkten. Am Ende der Vorrunde braucht man einen Schnitt von 2,75. Das Problem ist, dass eine einzige gelbe Karte 2 Punkte Abzug gibt. Und es kommt noch besser: GRÄTSCHEN IST NICHT ERLAUBT! Wie bitte?! Ja, genau, so gings mir auch! Ich saß da drin und dachte mir. Moment mal, 'slide-tackling' ist doch grätschen! Die können doch nicht grätschen verbieten! Es gibt doch in der Defensive nix Schöneres als ein mit deutschem Organisationsvermögen fein säuberlich und effektiv durchgeführtes Grätschmanöver! Gut, dachte ich dann, die wollen hier halt Nummer sicher gehen, es sind ja auch Mexikaner dabei, und wer weiß da schon...
Das Beste an unserem Team sind aber wahrscheinlich ohnehin die Cheerleader! Ja genau, wir sind dabei, die Mädels davon zu überzeugen, uns ein wenig anzufeuern. Dann wäre neben guatemaltischer Kreativität, brasilianischer Ballkunst und deutscher Disziplin auf dem Platz vielleicht auch noch Hong-Kongianische Fleißigkeit, fleißiges deutsches Klatschen, brasilianische Samba-Freundentänze und albanische... (joa, ich weiß auch nicht. Sind halt wie die Mexikaner, die Albaner...) neben dem Platz zu bestaunen! Wow, sag ich da...

Für alle, die sich interessieren, was ich gerade so für philosophische Probleme habe: für euch ist der kommende Abschnitt. Wer nicht will, überspringt den bitte.
Folgender Satz scheint einfach verständlich zu sein: "In dem Raum sind 20 Personen." Jeder würde wohl ohne weiteres zustimmen, dass dieser Satz recht leicht zu verstehen ist. Wenn man sich das aber genauer anschaut, merkt man, dass man keine Ahnung hat, worüber man eigentlich redet. Was zum Henker ist ein "Raum"? Jemand mal eine Definition gesehen? Braucht ein Raum eine Decke, 4 Wände und einen Fußboden? Oder reichen auch Boden und Wände? Die Definition von "Raum" mag nicht so schwierig zu geben sein, aber man denke mal darüber nach, was eine Person ist! Wie ist eine Person zu definieren? Über ein Bewusstsein? Nein, auch Tiere haben eines. Über die Vernunftfähigkeit? Nun, sind geistig Behinderte keine Personen? Und was genau trennt eigentlich eine Person von der anderen? Was genau können wir für Kriterien geben, um zwei Personen zu unterscheiden? Einen jeweils eigenen Willen? Was ist denn das schonwieder? Ein Wille? Schonmal einen gesehen? Usw... Naja, ich sitze da in einem Seminar über Russell, Ayer und Wittgenstein - Philosophen, die allesamt von der Idee fasziniert waren, unsere Alltagssprache in logische Partikel zu zerteilen, um die Struktur unserer Sprache zu verstehen und damit auch, wie wir die Welt beschreiben. Was heißt es, wenn wir sagen: "Einhörner existieren nicht."? Sagen wir dann nicht: "Es gibt hier etwas, das es nicht gibt."? Oder ist das ganze vielleicht ein Missverständnis, das auf den logischen Unklarheiten unserer Alltagssprache beruht? Dann hätten einige Männer in den letzten 2000 Jahren sich einiges an Arbeit sparen können...
Naja, das ist ein Kurs, den ich gerade besuche. Ziemlich abgefahren, aber es schult das denken. Irgendwie.

Schaut euch übrigens mal den Film District 9 an, der ist ziemlich gut!

Ich bin immer noch unsicher, ob die Fußballregeln angebracht sind oder nicht... irgendwie ist das ganze ein wenig sissi-mäßig... da hat man doch keine Eier, bei diesen Regeln! Oder doch?
Naja, es muss jedenfalls weitergehen! Immer weitergehen, muss es!





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Dienstag, 15. September 2009

-Komische Fakten I -

- Professor Fred Feldman hat während des Unterrichts stets einen Hammer in seiner Aktentasche, um damit klingelnde Mobiltelefone effektiv und vor allem einprägsam auszuschalten. Dass er Ethik, also die Lehre vom guten Handeln, unterrichtet, hindert ihn offenbar nicht an derartigen Praktiken.

alles neu.



Vor einigen Tagen habe ich mein Zimmer nach einer genialen Idee meines Mitbewohners Will innen-architektonisch umstrukturiert. Im Keller gab's die Ausrüstung dafür, ein Hochbett zu bauen. Schupps, Schreibtisch drunter und schon schon doppelt soviel Bodenfläche! Nachdem ich nun auch einige Poster gekauft habe und alle mitgebrachten Fotos aufgehängt habe, ist mein kleines Zimmerchen erstmal komplett eingerichtet. Und so sieht das ganze aus:

Kühlschrank inklusive (deutschem) Bier. Das erhöht meinen Coolheitsfaktor hier in Amherst um 1,38 (nur traurige 1,17 für amerikanisches Bier...).













Neueste Neuerwerbung: billige Gitarre auf amazon.com.













Walmart-Regal (im letzten Eintrag am Rande erwähnt). Wasserkocher, Tee, IHome-AudioWeckerSystem, Tee und Lampe (ist schon einmal vom Bett gefallen, hält aber trotzdem noch).











Meine kleine neue Lernhöhle. Fotos von netten Menschen und schöne Erinnerungen inklusive (wer genau hinschaut, erkennt rechts hinten auf dem Bücherregal das liebevoll erstellte Familien-Fotoalbum).













Meine Klamottenaufhängstange. Spiegel und einige weitere Erinnerungen an der Wand.
















Und so sieht das ganze bei Tageslicht aus! Viel mehr habe ich heute auch gar nicht zu erzählen. Nächstes Mal wirds wieder interessanter, versprochen!

Bewegt euch. Bis bald.













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Sonntag, 13. September 2009

Erste kriminelle Aktivitäten.

Es war ein sonniger Spätsommer-Nachmittag Mitte September, als der schwarze BMW langsam zu bremsen begann und auf Höhe 112 Eastman Lane stoppte. Zwei Gestalten stiegen aus. Hastig und gezielt hoben sie einige Plastiktüten und Kartons aus dem Kofferraum und platzierten sie am Straßenrand. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erhebt sich ein Backsteinhaus. Ein leiser Wind kommt auf und löst eine rötlich schimmernde Staubwolke aus der Wand im achten Stock. Der schwarze BMW setzt sich in Bewegung. Die beiden Gestalten stehen am Straßenrand und diskutieren. Immer wieder deuten sie auf einen der Kartons. Aus der Ferne scheint der Karton ein wenig grün zu schimmern. Auf der Straße ist kein anderes Auto zu sehen. Die beiden sind allein.
Nach einiger Zeit nähert sich eine dritte Gestalt. Vermutlich ist er der Fahrer des Wagens. Wo hat er ihn geparkt? In einem nahen Waldabschnitt? Ohne ein Grußwort gesellt er sich zu den beiden anderen und deutet ebenfalls mehrmals auf den grünen Karton. Dann geht alles blitzschnell. Eine rote Jacke wird über den grün-schimmernden Karton geworfen, jeder der drei greift nach einem Teil der Waren, sie überqueren die Straße. Langsam schließt sich die dunkle Eingangstüre hinter den Gestalten. Einen Augenblick lang ist durch den Spalt der sich schließenden Türe zu erkennen, wie die drei den Aufzug besteigen...


Manchmal zwingt einen die Gesetzeslage eines Landes zu illegalen Handlungen. Es gibt Gegenden auf unserem Planeten, in denen man zu illegalen Handlungen gezwungen wird, wenn man einfach einmal gemütlich darüber sprechen will, ob der Herrscher derselben Region eigentlich zu Recht an der Macht ist. Oder aber wenn man findet, dass Schweinefleisch eigentlich gar nicht so schlecht schmeckt, wie alle immer sagen.
Das Ziel, welches ich mir heute gesetzt habe bestand darin, meinen neu gekauften Kühlschrank durch eine angemessene Menge Bier in selbigem einzuweihen. Problem: meine Hausregeln erlauben mir lediglich, 6 Flaschen Bier zu besitzen (also in meinem Raum zu haben). Ich wollte aber MEHR BIER (verständlich, oder?! Man nehme mal an, ich bekomme Besuch von zwei Freunden in meinem Zimmer...). Als wir den von heimtückischen Täuschungsaktionen durchzogenen Schlachtplan entwarfen, kamen wir uns vor, wie Pubertierende Schullandheimbesucher. Ich komme jedoch nicht umhin, zu gestehen, dass die ganze Aktion trotz (oder wegen?) aller Absurdität auch ein wenig Spaß machte. Jedenfalls gelang unser ausgetüftelter Plan (im Gegensatz zum Schullandheim). Jedes Detail des Planes ging auf, wie wir es uns zuvor ausgemalt hatten. Die rote Jacke über dem Karton verbarg den Inhalt perfekt vor den Augen des diensthabenden Wachmanns im Wohnheimsbüro. Ich darf mich nun stolzer Besitzer von 24 Flaschen Becks aus meinem Heimatland nennen.
Wow. Das muss man sich einmal vorstellen. Nicht nur überschreite ich die gesetzlich erlaubte Alkoholmenge um das vierfache, nein, ich mache es auch noch COOL (also im Kühlschrank)!
Das Bier zu bekommen, war nicht so einfach, weil ich meinen Pass nicht dabei hatte. Und die Dame im Alkoholladen wollte meinen Personalausweis und meinen Führerschein nicht anerkennen. Glücklicherweise war mein Mitbewohner dabei, der einspringen konnte. Da stand ich also am Schalter und lies mir von meinem 22-Jährigen Mitbewohner Bier kaufen... nun, genau genommen: ich musste den Laden verlassen, bevor Will das Bier kaufen konnte, da die Dame ansonsten den Eindruck gehabt hätte, Will kaufe das Bier garnicht für sich selbst, sondern für mich. Die Dame also wies mich darauf hin, ich möge doch bitte den Laden verlassen, da ich eben nicht als Erwachsener gelte, weil ich mich nicht ausweisen könne. Naja, ich verlies den Laden, Will kaufte das Bier und ich nahm es auf dem Parkplatz entgegen...

Gestern war ich auf meinem ersten American-Football-Match. Amherst gegen Albany, NY. Wir gewannen. Ich weiß nicht genau, wie hoch, da ich nach dem dritten Viertel und zweidreiviertel Stunden Spielzeit mit einigen Kollegen das Stadion verließ und essen ging. Nicht, dass das Spiel nicht interessant war, im Gegenteil. Aber das ist einfach zu lang! Im Schnitt drei Stunden geht so ein Football-Match. Naja, wenigstens haben die ganz nette Cheerleader und eine äußerst beeindruckende Marching-Band (eine 200 Mann umfassende Marschkapelle), die ziemlich gerockt hat! Vor dem Spiel haben wir natürlich die Nationalhymne gesungen. Nächstesmal gehe ich da auf nüchternen Magen hin und gebe mir das volle Programm inklusive Burger und Cola und Erdnüssen und HotDogs und...
Über dem Eingang des Supermarktes, in dem ich heute einkaufen war, steht geschrieben: "Through these doors enter the greatest world-class employees every day". Man stelle sich mal vor, über den fettflecken-gäsernen, automatischen Schwingtüren der Edeka-Filiale um die Ecke stünde in güldenen Lettern geschrieben: "Durch diese Tore schreiten jeden Morgen die begnadetsten und talentiertesten, großartigsten Angestellten von Weltformat". Wow. Das wäre doch etwas. Wie würde so etwas in Deutschland ankommen? Im Schwabenland würde etwas derartiges wohl in etwa folgenden Kommentar hervorrufen: "Wenn i do dr Scheff wär, ha, dennä dät i erschdamol räächd dr Roschd raa dau!"
Aber Amerika ist ein Land der Superlative. Hier ist alles Big XXL. Wenn ich ein T-Shirt kaufen gehe, ist S meine Größe. Ich hätte nur die Befürchtung, dass all diese Superlative langsam aber sicher die Wahrnehmung verändern. Und so hat eben manche Supermarktverkäuferin ein Auftreten, das verdächtig an Kaiserin Sissi erinnert. Eine Ausnahme ist Walmart. Deren Geschäftspolitik besteht darin, den größten qualitativen Scheiß zu verkaufen, den man finden kann und das nicht einmal geschickt zu verschleiern, ja, es nicht einmal zu verschleiern zu versuchen. Walmart ist quasi ein IKEA-extrem. Viel minderwertiger, billiger, nur weniger stylisch. Weniger in der Mitte der Gesellschaft, irgendwie. Naja, heute habe ich eine Mitarbeiterin gefragt, wo ich denn Schraubenzieher finden kann. Ihre Antwort war: "Versuchen sie's mal da hinten um die Ecke, der fünfte Gang. Da würde ich danach suchen. Wenn's da nicht ist, weiß ichs auch nicht genau". Ohne ein weiteres Wort widmete sie sich wieder ihrer Handtucheinräumbeschäftigung. Naja, wenigstens sind die ehrlich. Die versuchen gar nicht erst, ihren offensichtlich qualitativ minderwertigen Ramsch hinter einer Fassade aus Kundengesprächen, geführt mit pseudokompetenten und beinahe übertrieben freundlichen "Fach"-händlern zu verstecken (wie man es zum Beispiel aus einer Mediamarkt-Filiale kennt, wo jeder Mitarbeiter einer "Fach"-abteilung zugeordnet ist (die meiner Meinung nach jeden Montag neu ausgelost werden)). Ich habe mir dort ein Regal gekauft. Warum? Es war so schön billig!
Planungen: Am Donnerstag kommt der Cirque de Soleil zu Besuch nach Amherst, direkt auf unseren Campus. Da gehen wir hin. Mitte Oktober kommt der bekannte Rap-Musiker Jay-Z nach Amherst auf den Campus (der Typ ist ne Legende, für die, wo das nicht wissen). Zwei nette Beispiele dafür, was für Vorteile so ein riesen Campus haben kann! So, ich glaub das war jetzt erstmal genug für heute.

bis bald,


PS. Hoffentlich durchsucht das FBI nicht aufgrund meines Geständnisses mein Zimmer nach Alkohol. Die würden nämlich auch noch einen Liter Vodka finden...





Donnerstag, 10. September 2009

Onliner und multiple-choice-iger.

Als Donald Rumsfeld vom 'alten Europa' sprach, da hatte er in einer Hinsicht recht. Auch wenn 'moderner' nicht immer gleichbedeutend mit 'besser' ist - in dieser einen Hinsicht stimme ich ihm zu. In der Konstanzer Innenstadt gibt es nur wenige Möglichkeiten, ins Internet zu gelangen. Entweder man hofft auf einen naiven Routerbesitzer, der sein Netzwerk nicht schützt oder man hackt sich in besagtes Netzwerk hinein oder aber man betritt das WorldWideNet via Satellit, was jedoch teuer werden kann.
In Amherst, einer kleinen Provinzstadt im Westen von Massachusetts, gibt es in jedem Plumpsklo gratis-Internet mit ohne Kabel. Einfach so. Punkt. Da hängt einfach überall ein Schild an jedem Café, man könne hier ins Internet. Unkompliziert, ohne Registrierung und ohne die monatliche Ausgabe von 'Erotik pur' zu abonnieren. Ja, irgendwie wirkt hier sowohl das Alltagsleben als auch das Uni-Leben noch onliner als in Deutschland. Gut, auch zuhause war meine erste Handlung nach dem Verlassen meines Bettes der Gang zum Macbook, um meine Emails zu checken. Hier aber kann ich, wenn ich das Passwort meines Online-Banking-Accounts ändern möchte, auf die Homepage der Bank of America gehen und einfach mit einer Mitarbeiterin einen Chat beginnen. Das ganze dauert dann 10 Minuten, sie fragt ein paar Fragen, um sich sicher zu sein, dass ich ich bin (gut, genaugenommen bin ich immer ich, egal, wer ich bin - aber solche Überlegungen sind im Alltag fehl am Platz) und schwupps - das wars.
Nett, finde ich.
An der Uni in Konstanz haben wir ja jetzt seit zwei Jahren ein elektronisches Prüfungsanmeldesystem. Fraglos ein weiter Schritt hinein ins 21. Jahrhundert. Außerdem beginnen einige Dozenten damit, ILIAS zu benutzen. Kann man sich vorstellen wie eine abgespeckte Version von StudiVZ oder Facebook, auf die der Dozent Inhalte hochladen kann, um sie den Studenten zur Verfügung zu stellen, so diese nicht zu doof sind, sich anzumelden, was durchaus vorkommt. Trotz dieser Neuerungen hat Konstanz bei mir einfach noch nicht dieses 'wow-ich-fühle-mich-wirklich-im-21.-Jahrhundert-wegen-der-Technik'- Gefühl ausgelöst. Dies mag unter anderem daran liegen, dass es an unserem Fachbereich geschehen kann, dass ein Professor eine Email eineinhalb Wochen nicht beantwortet und man nach mehrmaliger Nachfrage, was denn geschehen sei, gesagt bekommt, dass dessen Sekretärin leider im Urlaub war - was leider zu einem digitalen Poststapel bis unter die Decke führt.
In Amherst entgegen betritt der etwa 60-jährige Professor den Raum und verkündet, er halte nichts von Büchern. Bumms. Das sitzt. Ein Philosophieprofessor, der nichts von Büchern hält?! Was soll denn das bitte sein? Naja, fährt er fort, wer immer noch so altmodisch ist, ein Buch vor sich liegen haben zu müssen, um zu lesen, der werde in diesem Kurs nicht glücklich. Die Lektüre sei ausschließlich online zu down-zu-loaden. Ich kann nicht umhin, vor meinem geistigen Auge die Szene abzurufen, in der mich ein Professor in Deutschland fragt, ob ich zu jenen seltsamen Wesenheiten gehöre, welche 'direkt in die Maschine' formulieren. Was er damit genau meine? Nun, er meine damit, dass man eben nicht mehr von Hand vorschreibe und das Geschriebene dann abtippe, sondern eben einfach direkt in 'die Maschine' formuliere (er betont dieses Wort auf dieselbe Art, wie ein Greenpeaceaktvist das Wort 'Robbenbabytötungen').

Naja, gerade eben habe ich mich jedenfalls in SPARK eingeloggt. Kevin hat für seine Studenten eine Seite eingerichtet, von welcher aus nicht nur alle relevanten Texte heruntergeladen werden können, sondern auch wild gechattet und diskutiert werden kann. Über Fachspezifisches, versteht sich. Der ein oder andere mag nun einwerfen, dass es in Deutschland all diese Technik ja auch schon gebe. Dem stimme ich zu. Der Unterschied ist nur der, dass die Leute hier diese digitalen Möglichkeiten auch umfassend nutzen. So hat Kevin zum Beispiel auf die Seite gleich auch noch einige Youtube-Videos mit Interviews der zu behandelnen Philosophen zu unterschiedlichen Themen verlinkt. Nett.

Am 10. Dezember des Jahres 2009 a.D. werde ich die erste Multiple-Choice-Klausur meines Lebens schreiben dürfen. Ja genau: in Philosophie. Genauer: politische Philosophie. Ich bin einmal gespannt, wie diese Geschichte ausgehen wird. Moderner ist so etwas vielleicht - aber besser? Naja, manchmal sind die Dinge vielleicht gar nicht soo schlecht, im alten Europa.

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Dienstag, 8. September 2009

Philosophy - I'm loving it.

So, heute war mein erster Tag als Student. Heute hatte ich meine ersten beiden Kurse. Bevor ich aber davon erzähle, kurz zwei Bilder aus meinem Wohnheimszimmer (das im übrigen kleiner ist als mein letztes in Kreuzlingen...).


Mit Mühe habe ich einige Erinnerungen an die deutsche Heimat an das Bodenbrett des Regales angebracht...


Ich hätte gern noch zwei weitere Bilder gemacht - aber dann hatte die Kamera keinen Saft mehr. Der Rest kommt also später...

Also: Mein erster Unterrichtstag. Nachdem ich heute morgen erst im Campus-Krankenhaus war um mir in der dortigen Pharmazie ein Nasenspray gegen meinen Schnupfen zu holen, ging ich zum International Office, um dort Kopien meiner Unterlagen abzugeben. Nur so zur Sicherheit... sind hier ja schon ganz andere Dinge abhanden gekommen...

1pm: Bartlett Hall, Zimmer 125, Politische Philosophie. Raum proppevoll, ungefähr 40 Studenten. Ich fühle mich sofort wohl, als ich die für Philosophie-Vorlesungen übliche bunte Mischung an Nasenringträger-Rockern und Britney Spears-Verschnitten sehe. Wenn ich mich entscheiden müsste, zu welcher Gruppe ich gehöre... es wäre eine schwierige Entscheidung. Ich bin wohl irgendwo in der Mitte anzusiedeln.
Pünktlich betritt ein untersetzter, bärtiger Mann Anfang 50 vor und verteilt das Kursprogramm (ausgedruckt in einem Format, welches in keinen handelsüblichen DinA4-Ordner passt - breiter und kleiner). Es ist ein Kurs für Bachelorstudenten. Ich selbst bin zwar Masterstudent, habe mich aber dennoch zu einer Teilnahme entschlossen, da ich in diesem Feld bislang noch nicht viel gemacht habe. Im Raum sitzen außer Philosophie-Studenten noch einige Studenten der Politik. Professor Levine stellt sich vor. In seinen ersten zehn Sätzen erwähnt er, dass sein Büro im recht hässlich ist (weshalb er sich mit Studenten lieber woanders zur Sprechstunde trifft), er ein äußerst schlechtes Namensgedächtnis hat und außerdem ziemlich faul sei. Die Philosophie im Allgemeinen sei sehr schwer zu definieren, sie habe, grob gesagt, immer mit den tiefsten Fundamenten, dem innersten Kern verschiedenster Bereiche zu tun. Am Donnerstag werde übrigens die Sitzung ausfallen. Er sei auf einer Tagung.
Im Übrigen habe er ein äußerst schlechtes Namensgedächtnis. Dem könne man aber durch ein kleines Spiel Abhilfe verschaffen.
Dann fängt er allen Ernstes an, sein Merkspiel zu spielen. Er merkt sich den Namen des ersten Studenten (nur den Vornamen). Er wiederholt ihn. Dann merkt er sich den zweiten Namen. Er wiederholt beide. Dann den dritten... usw. . 25 Minuten und ca. 40 Namen später ist er fertig. Einige Studenten langweilen sich bereits zu Tode. Es gab einen Aha-Moment, als Herr Levine plötzlich die Namen in umgekehrter Reihenfolge aufsagte. Außerdem freute er sich jedesmal aufs neue, dass die einzigen beiden Johns im Raum auch noch genau nebeneinander saßen.
Nachdem er also alle Namen durch hat, erwähnt er, dass er bis nächste Woche wahrscheinlich wieder alle Namen vergessen hat.
Anschließend beginnt er, eine grobe Einteilung der philosophischen Bereiche an die Tafel zu malen. Links Metaphysik und Epistemologie. Rechts Ethik, Moralphilosophie, Politische Philosophie und Ästhetik. Interessant, aber nix neues. Er erklärt uns noch kurz, wir mögen doch bitte die Bücher bei seinem Lieblingsladen in Amherst kaufen, bei "Food for Thougt".
Er erwähnt noch einmal, dass er faul sei. Dann ist die Stunde vorbei.

2.30pm, Bartlett Hall, Raum 206, Kontemporäre analytische Philosophie. Erneut ist der Raum recht voll. Pünktlich kommt ein gemütlich dreinblickender, junger, großer, untersetzter Mann im legeren T-Shirt herein und stellt sich als 'Kevin' vor. Er erinnert mich an den Walmart-Verkäufer, der mir gestern gezeigt hat, wo ich Kissen finde. Auf dem Kursprogramm, welches Kevin austeilt, stehen links oben seine Kontaktdaten: "Prof. Dr. Klevent (but please call me 'Kevin'!)".
Die Studenten sind noch bunt gemischter als in der letzten Stunde. Zwei Reihen neben mir sitzt ein Mädel im pinken, eng anliegenden Kleid, dem fast die Brüste aus dem Ausschnitt fallen. In der ersten Reihe vorne sitzt ein ein schwarze Hosen und schwarzes, kurzärmeliges Hemd gekleideter Typ meines Alters. 2mm Haare auf dem Schädel, Sonnenbrille (die er übrigens auch nicht abnahm während des gesamten Unterrichts).
Kevin beginnt die Stunde, indem er darauf hinweist, dass der Kurs eigentlich einen falschen Namen trägt, der bald geändert werde und er manchmal in der Klasse tanze. Wir würden Russell, Frege und Ayer behandeln, allesamt nicht mehr zeitgenössisch, weshalb der Kurs bald in "Analytische Philosophie des 20. Jahrhunderts" umbenannt werde. Jemand meldet sich und fragt, warum er manchmal tanze. Er wisse es auch nicht, meint Kevin, warum man denn tanze? Vermutlich zum Spaß. Dann wendet er sich an die Klasse und fragt, ob jemand eine Theorie habe. "Lasst uns ein wenig darüber sprechen! Philosophy of Dance! Wer weiß da was?" Niemand meldet sich. Okay, meint Kevin, vielleicht hätten wir später nochmal die Gelegenheit, darauf zurückzukommen. Er fährt damit fort, zu erklären, dass wir Studenten gefälligst zu Sprechstunden kommen sollten. Es sei schließlich viel Geld, das wir berappen - da sollen wir auch das bestmögliche rausholen! Er jedenfalls spreche immer gern mit Studenten, lieber als sein Buch über Russell zu schreiben. Außerdem seien die Studiengebühren so hoch, dass Studenten nicht auch noch Bücher kaufen müssen sollten. Deshalb habe er alle Bücher einscannen lassen und ins Internet gestellt. Das Runterladen sei nicht illegal, da habe er sich informiert. Wenn einer Probleme kriege, dann er selbst und das sei ja dann nicht unser Problem.
Im Folgenden erklärt er das Vorgehen innerhalb des Kurses und dass es wahrscheinlich sinnvoll ist, schon einmal Logik gemacht zu haben, wenn man diesen Kurs bestehen will. Fast alle im Kurs haben schon Logik belegt. Dann geht Kevin die Namensliste durch. Auf dem Tisch sitzend, fällt ihm plötzlich auf, dass unheimlich viele Menschen im Raum sind. "Ich muss einigen von euch Angst machen, damit wir weniger werden!", meint er, spreizt seine Finger in bedrohlicher Haltung und zieht eine Grimasse. Niemand verlässt den Raum. Kevin fährt damit fort, die Anwesenheit zu checken. Er hat eine Liste unserer Namen und liest sie vor.

'David Murdock?', fragt er.
Der Typ mit der Sonnenbrille in der ersten Reihe meldet sich. 'Einfach nur Murdock'.
'Einfach nur Murdock...? Stark.', meint Kevin.

Als er mit den Namen durch ist, fordert er die Klasse auf, Fragen zu stellen. Jemand fragt, was Kevin denn so gemacht habe, bevor er nach Amherst kam. Kevin meint, er sein in Milwaukee, Wisconsin aufgewachsen. Seine Familie besitze eine Wurstfabrik, deren Logo man manchmal auf Werbeplakaten der Football-Liga sehe. Er selbst sei aber Vegetarier. Sein 10tes Jahr schon sei dies in Amherst. Jemand fragt, ob er denn keine Party schmeißen wolle, anlässlich des Jubiläums. Kevin grübelt kurz darüber nach und meint dann, ja, wohl schon, aber wahrscheinlich werde er das nicht machen. Außerdem habe er eine Frau und zwei wunderschöne Töchter, drei und ein Jahr alt. Jemand fragt, was genau er denn vortanze. Er wisse es nicht genau, meint Kevin. Er sei in miserabler Tänzer. Besser wäre, die Studenten würden tanzen. Dann wechselt er das Thema und gibt uns eine Hausaufgabe. 'Definiert 'Salat'!', meint er. Das sei unglaublich schwer, weil man eine Definition finden müsse, die Eiersalat und Kartoffelsalat zulasse, aber dennoch nicht zu viele Dinge umfasse.
Die Stunde ist hiermit beendet.

Ich packe meine Sachen und gehe. Morgen werde ich Bücher kaufen gehen. Außerdem habe ich morgen das erste Mal Moralphilosophie bei Prof. Feldman. Prof. Levine hat uns heute geraten, bei Feldman unser Handy lautlos zu schalten. Dieser sei nämlich landesweit dafür bekannt, klingelnde Handys einzusammeln und vor der Klasse schwungvoll auf dem Boden zu zertrümmern.
Hach, ja, die Philosophen... Irgendwie mag ich sie einfach...

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Montag, 7. September 2009

Sheela

Als ich sie das erste Mal sah, hatte sie dieses Funkeln in den Augen. Dieses schelmische, goldene Glitzern, das man nur selten zu sehen bekommt. Sie hatte mich sofort für sich eingenommen. Es gibt diese Momente - Momente, in denen man sofort erkennt, dass man es mit jemand besonderem zu tun hat. Jemanden, mit dem man gern mehr Zeit verbringen-, den man kennen lernen lernen möchte.
Drei Tage lang sahen wir uns jeden Tag. Ich führte sie zum Essen aus nach Downtown. Immer saßen wir mit ein wenig Abstand an der Straße und genossen den Abend. Beobachteten die unzähligen Studenten. Manchmal schwiegen wir uns eine halbe Stunde lang einfach nur an. Wir waren wie Seelenverwandte. Reden kann man mit beinahe jedem. Schweigen kann man nur mit wenigen.
Es lief alles darauf hinaus, dass wir eine wunderbare Beziehung führen würden. Ich war mir dessen sicher. Dann, eines morgens, war sie plötzlich verschwunden. Am Abend zuvor hatte ich sie noch nach Hause gebracht und dafür gesorgt, dass sie sich sicher fühlte. Sie wartete an der Bushaltestelle Hagis Mall auf mich. Ich hätte auch direkt nach Hause fahren können. Aber ich stieg aus und brachte sie nach Hause. Ich wollte ein Gentleman sein. Ich fühlte mich gut dabei. Auch sie fühlte sich wohl. Ich weiß es. Aber so ist das Leben wohl manchmal. Es erlaubt einem einen kurzen Augenblick, etwas Wunderschönes zu erblicken... und dann...

Das einzige, was bleibt, sind Erinnerungen. Erinnerungen an die gemeinsam verbrachten Augenblicke. Und das zerbrochene Schloss auf der Straße am nächsten Morgen. Ich warf es in den nächsten Mülleimer. Ich habe keinen Fehler gemacht. Manchmal gehen die Dinge eben in die Brüche. Sheela, meine schelmische, störrische Freundin mit dem goldenen Lächeln, ich werde dich vermissen. Aber das Leben geht weiter. Es muss. Irgendwie...

Nächstes Mal kaufe ich ein größeres, dickeres Schloss. Damit sich diese scheißverfluchte Fahrradmafia daran die Zähne ausbeißt.

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Sonntag, 6. September 2009

Boston - Ende der Orientierungswoche

So. Heute ist der erste Tag seit ich hier bin, an dem ich ausgeschlafen habe. Gestern sind wir, wie angekündigt, nach Boston gereist und haben den Tag dort verbracht. Boston Downtown, Harvard, MIT... wir haben einiges gesehen. Den Trip gibts diesmal gemeinsam mit einigen Eindrücken aus der ersten Woche als kleine Bildershow.




Boston von oben




Harvards Bibliothek

In der Halle im Hintergrund spielen die Boston Celtics ihre NBA-Matches


In dieser Gruppe erkundeten wir Boston


Der Campus in Amherst - riesig und wirklich nett angelegt.

UMass Amherst


Der rote Turm ist die Bibliothek der UMass

Ich werde versuchen, in den nächsten Tagen mal einige Bilder von meinem Zimmer reinzustellen! So, genug für heute.
bis bald.



Freitag, 4. September 2009

Wow.

Rührei, Speck, Cevapcicci (???) und lappriger Toast. Dazu wird Sprite oder Pepsi getrunken - wahlweise auch ein Eistee. Nur damit keine Missverständnisse auftreten: ich rede hier von einem typischen western-Massachusetts-Frühstück. Naja, und das so ein Essen dann mal um die Hüfte rum ein bisschen für einen Anti-Ertrink-Reifen führt, sieht man dann dem ein oder anderen Studenten tatsächlich auch an... Davon abgesehen gibt es aber auch die Möglichkeit, Früchte und Yoghurt zu frühstücken. Eine Alternative, die ich des öfteren wählte...
Naja, was gibts zu sagen? So viel, dass ich garnicht weiß, was zuerst kommen soll. Die Amis sind alle mega-freundlich und super organisiert. Die Orientierungs-Woche hier an der Uni war der Hammer - die haben unglaublich gut dafür gesorgt, dass man sich kennen lernen kann und sich auch gleich möglichst wohlfühlt. Angefangen bei meinem deutschen Zimmerkameraden in den ersten drei Tagen (wer hätte das gedacht? auch ein Stefan...), über die zahlreichen Starthilfs-Vorlesungen ("Dating in America" war gleichzeitig mit "Wohnungsregeln" und "Erklärungen zu Legalen und Illegalen Handlungen in den USA"...- wo ich war, wird nicht verraten...) bis hin zu den zahlreichen studentischen Helfern, die vorgestern abend für ein Bankett allererster Sahne inklusive Fahnen aus aller Welt, Lotterie und anschließender Diskothek gesorgt haben. Die sind hier wirklich so zuvorkommend und nett, dass man sie am Liebsten nur umarmen möchte manchmal :-).
Der Campus hier in Amherst ist einfach riesig. Vor zwei Tagen habe ich mir erst einmal ein Fahrrad gekauft, gebraucht für 135 Dollar. Ist ein schickes gelbes Rennrad, für das ich schon einige neidische Blicke bekommen habe. :-)
Die Gebäude sind allesamt ziemlich modern und schick - man merkt hier einfach, dass da richtig viel Geld drinnen steckt. Der Hammer aber ist der Bibliotheksturm. Ein rotes Hochhaus mit 23 Stockwerken, die mit Hochgeschwindigkeitsaufzügen verbunden sind, von oben bis unten voll mit Büchern. Da kommt richtig Atmosphäre auf, wenn man im 20 Stock hoch oben über den Dächern von Amherst sitzt und ein Buch liest.
Mein Wohnheim ist ziemlich cool. Backstein, dicke Wände, kleines Zimmer. Ziemlich nette, brandneue Küche und ein fescher Aufenthaltsraum im Keller, inklusive Tischkicker, riesen Flachbildschirm und AirHockey.
Wir sind etwas über 200 internationale Studenten, was dazu führt, dass ich auch nach 5 Tagen noch jeden Tag neue Leute kennen lerne. China, Ägypten, Schweden, Deutschland, Spanien, Australien, Frankreich, Äthiopien, Taiwan, Japan, Mexiko, Guatemala, Brasilien, Kenia... mehr fallen mir gerade nicht ein - aber alle sind vertreten. Megainteressant, all die unterschiedlichen Kulturen und Religionen auf einem Haufen zu haben. Ein Mädchen aus Deutschland ist mit einer Muslimin aus Afrika auf dem Zimmer, die jeden morgen um halb 5 beten geht. Gestern wurde ich Zeuge folgender Unterhaltung (natürlich war die auf Englisch):

Chinesin: "Hey, kennst du Chi-ca-co?"
Brasilianerin: "Chicago? Die Stadt? Klar kenn ich die!"
Chinesin: "Nein, Chi-ca-co, die Japanerin!"

Es gibt viel zu lachen...

Gestern waren wir zum ersten mal in Amherst selbst unterwegs. Malerische amerikanisches High-School-Film-Städtchen. Donut-bars, Pizzerien, Pubs, schlechtes amerikanisches Bier, mega-breite Straßen (man merkt wirklich, dass Amerikaner keinen Platzmangel haben) und permanent irgendwelche gut aussehenden Menschen, die herumjoggen. Überhaupt ist Sport hier mindestens genauso präsent wie Fastfood. Paradox, aber irgendwie so richtig schön amerikanisch...
Lächerlich ist einfach diese Altersbeschränkung beim Trinken. Du kannst mit 16 eine Schusswaffe besitzen, mit 15 Auto fahren - aber ein Bierchen gibts erst ab 21. Das ist schon bitter, wenn man hier einen trinkfesten Engländer aus Birmingham trifft (dem man die Trinkfestigkeit auch ansieht...), der schon seit 6 Jahren Bier trinkt, hier aber keines dieser schwachen und wässerigen lokalen Biersorten ausgeschenkt bekommt und stattdessen ein Eis oder eine Coke trinken muss. Aber gut, andere Länder...
Kurz: bislang gefällt es mir richtig gut hier, ich fühl mich wohl, hab Leute gefunden, mit denen ich hier ordentlich was unternehmen kann, besitze seit heute ein Amerikanisches Bankkonto, seit gestern ein Handy mit lokalem Netz und mein eigenes Zimmer und seit vorgestern ein Fahrrad. Ich lebe mich also ganz gut ein! Ich bin sehr gespannt auf den Kursbeginn am Dienstag. Morgen aber gehts erstmal nach Boston auf Stadtrundfahrt mit der ganzen Baggage! Das wird sicher ziemlich lustig!
So, ich bin megamüde, habe die ganze Woche kaum mal länger als sechseinhalb Stunden geschlafen (ich bin Student, ich brauch acht!!!) und es gibt noch soviel zu tun!
Sonntag wird dann die Hölle losbrechen, wenn 25000 Studenten an die UMass Amherst kommen... vielleicht fahre ich da einfach in die Stadt mit meinem Fahrrad, setze mich raus an die breite Straße mit einem Buch und esse einen Donut, während die Cheerleaderinnen vorbeijoggen...


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